Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Landesverband Hamburg e. V.

Radfahren - eine Soziologie aus dem Sattel Buchtitel

Radfahren - eine Soziologie aus dem Sattel © Verlag

Haustier, Gesetzesbrecher & Lebensstilikone

Radfahren – eine Soziologie aus dem Sattel

Der Begriff „Soziologie“ stammt vom lateinischen Wort „socius“, der „Gefährte“. Der Soziologe Christian Stegbauer hat nun aber das Gefährt zum Anlass genommen, um seine Leidenschaft fürs Radfahren mit seinem Beruf zu verknüpfen. In dem Buch Radfahren – eine Soziologie aus dem Sattel geht es um das Zwischenmenschliche beim Radeln. Der Untertitel Das Fahrrad als Haustier, Gesetzesbrecher und Lebensstilikone macht bereits den humorvollen Ton deutlich. Kein trockenes Sachbuch, sondern in weiten Teilen ein fabulierendes Kramen des Autors in seinen Erinnerungen.

Männer auf Rennrädern

Naturgemäß liegt der Fokus dabei auf seinem Erlebnishorizont als männlicher Vielradler mit Rennradhistorie. Christian Stegbauer vertritt in seinem Buch die Ansicht, das Radeln ließe sich in verschiedene „Genres“ einteilen, die aber alle Eines gemeinsam haben: „Sie sind Instanzen einer Auseinandersetzung […], kurz eines Wettstreits“. Dementsprechend widmet er gleich am Anfang einige Seiten der Betrachtung des Radrennsports. Für Lesende, die damit nichts am Hut haben, ein eher befremdlicher Einstieg. „Wettbewerb“ schwingt als übergreifender Bogen zwischen den Kapiteln mit – sei es beim Starten an der Ampel oder dem Angeben mit dem schicksten Fahrrad.

Soziologisch betrachtet mag es vielleicht sinnvoll sein, solch eine Konkurrenz hervorzuheben. Eine Herangehensweise, die auch auf die Solidarität unter Radfahrenden eingeht (zum Beispiel bei der „Critical Mass“) hätte das Buch aber runder gemacht.

Mansplaining

Der geneigten Leserin sticht sofort der Abschnitt „Hat Geschlecht etwas mit dem Zweirad zu tun?“ ins Auge. Natürlich hat es das! Wir sagen immer noch „Damenrad“ zu Rädern mit tiefem Einstieg. Frauen sind häufiger mit dem Fahrrad im Alltag unterwegs als Männer, aber erst seit wenigen Jahren bei einer Tour de France. Frauen weichen häufiger aus, selbst wenn sie auf der richtigen Seite unterwegs sind.

Christian Stegbauer geht leider nur kurz und oberflächlich auf das Thema ein. Sein Fazit: Gesellschaftliche Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern zeigen sich auch beim Radeln. Dafür hätte es jetzt keinen Soziologen gebraucht … Dieser Punkt hätte, ebenso wie eine vertiefende Betrachtung des Fahrrads als Alltagsgefährt gerade auch für Frauen, in einer soziologischen Betrachtung mehr Platz verdient. Der Autor hätte beispielsweise eine seiner Kolleginnen (eine „Socia“) um ihre Perspektive bitten können.

Darum lautet mein Fazit: Frauen, die ihr Rad hauptsächlich im Alltag nutzen, werden sich in diesem Buch weniger wiederfinden als Rennrad fahrende Männer.

Mina Schüttmann

Radfahren - eine Soziologie aus dem Sattel Buchtitel
Radfahren - eine Soziologie aus dem Sattel © Verlag

Radfahren – eine Soziologie aus dem Sattel.

Das Fahrrad als Haustier, Gesetzesbrecher und Lebensstilikone

Christian Stegbauer

SpringerNature, Heidelberg 2025, 232 S., Hardcover € 24,99

ISBN: 978-3-658-48166-7

alle Themen anzeigen

Verwandte Themen

Fahrrad in den Bergen von Spanien

Corona-Papers

In der RadCity baten wir um Berichte von Fahrraderlebnissen unserer Leser*innen während der Einschränkungen durch die…

Christian Scholz bei einer Gesprächsrunde zum 25. Jubiläum

Interview mit Christian Scholz

Christian Scholz ist ein ADFC-Urgestein der ersten Stunde. 1985 ist er im Alter von neunzehn Jahren in den ADFC…

Kleine Kaffeetour durchs Alte Land

Kleine Kaffeetour durchs Alte Land

Länge der Tour: 39,2 km

Start und Ziel: S-Neugraben

Eine für den Radverkehr freigegebene Einbahnstraße in Volksdorf

Einbahnstraßen sind freizugeben - aus "kann" wurde "soll"

"Straßen mit Tempo-30-Regelung müssen grundsätzlich für den Radverkehr in beiden Richtungen befahrbar sein." Zu dieser…

entgegen der Einbahnstrasse

Ausbau der Veloroute 5 Hufnerstraße - Reesestraße

Welche konkreten Verbesserungen gibt es auf der Radroute 5, nachdem ein neues Teilstück zwischen Hufnerstraße und…

Übern Berg nach Appelbeck am See

Übern Berg nach Appelbeck am See

Länge der Tour: 47,8 km

Start: S-Neuwiedenthal

Ziel: S-Neugraben

Cajus Pruin, Frank Dzukowski und Silvia Wieben mit dem ADFC Zertifikat Fahrradfreundlicher Arbeitgeber in Gold

UKE: Fahrradfreundlicher Arbeitgeber in Gold

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hat vom ADFC im November 2023 die Auszeichnung als Fahrradfreundlicher…

Beispiel eines Radbus

Radexpress Finkenwerder-Wilhelmsburg-Moorfleet-Billstedt

Ein Radexpress-Bus von Finkenwerder über Wilhelmsburg nach Billstedt wäre eine ideale Ergänzung im ÖPNV-Angebot der…

Steendiek, eine Strasse in Hamburg-Finkenwerder

Verpasste Chance

Finkenwerder. Hier ein paar Fahrradbügel, dort eine Taktverdichtung – all dies bewirkt noch keine Mobilitätswende. Dafür…

https://hamburg.adfc.de/artikel/haustier-gesetzesbrecher-lebensstilikone

Bleiben Sie in Kontakt