Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Landesverband Hamburg e. V.

Kinder demonstrieren vor ihrer Schule für weniger Autoverkehr

Anti-Elterntaxi-Aktion mit ADFC-Banner zum Schulstart. © Katharina Lepik

Viel Engagement, wenig KOORDINATION

Sichere Schulwege und Schulstraßen in Hamburg!

Bereits seit dem Frühjahr 2024 fordert der ADFC die Einführung von Schulstraßen in ganz Hamburg. Seitdem ist der Verein kontinuierlich am Thema geblieben – mit Aktionen, Lobby- und Pressearbeit sowie durch Beratung und Vernetzung engagierter Schulen und Eltern.

Schulstraßen als politische Forderung

Schulstraßen für ganz Hamburg – das war die zentrale Botschaft der Kidical Masses im April und September 2024. Nachdem die Kinder-Fahrrad-Demo im September ihren Weg durch Wandsbek zurückgelegt hatte, überreichten der ADFC Hamburg gemeinsam mit der AG Schulwegsicherheit Volksdorf eine Petition mit der Forderung, Schulstraßen in allen Hamburger Bezirken einzurichten, an Verkehrssenator Anjes Tjarks. Ein erster politischer Erfolg: Die Schulstraße im Ahrensburger Weg in Volksdorf wurde in den Koalitionsvertrag des Bezirks Wandsbek aufgenommen.

Trotz dieser Zusagen ist im Bezirk Wandsbek bislang kaum etwas passiert. Besonders schwer wiegt dies vor dem Hintergrund eines tödlichen Unfalls im vergangenen Jahr, bei dem ein 7-jähriger Junge vom Fahrer eines Müllfahrzeugs überfahren wurde. Konkrete Maßnahmen zur Einrichtung einer Schulstraße oder umfassendere Verbesserungen der Schulwegsicherheit sucht man bislang jedoch immer noch vergeblich.

Fortschritte

Erfreulicherweise zeigt sich in anderen Bezirken ein anderes Bild: Für 2026 sind – nach langen behördlichen Abstimmungen über rechtliche und praktische Details – erste Pilotprojekte zur Einführung zeitlich begrenzter Schulstraßen geplant. Diese sollen an Schultagen um die Zeit des Unterrichtsbeginns und -endes autofrei sein. Geplant sind fünf solcher temporären Schulstraßen in den Bezirken Eimsbüttel, Hamburg-Nord und Altona, konkret an den Grundschulen Wesperloh, Vizelinstraße, Döhrnstraße, Knauerstraße sowie an der Adolph-Schönfelder-Schule am Standort Brucknerstraße.

Auch bei permanenten Schulstraßen nimmt Eimsbüttel eine Vorreiterrolle ein. Seit Anfang des Jahres laufen dort die Umbauarbeiten zur dauerhaften autofreien Schulstraße vor der Schule Rellinger Straße. Doch selbst dieses wegweisende Projekt stand kurz vor der Umsetzung noch einmal auf der Kippe. Auch hier wirkte das Hamburger Parkplatzmoratorium als Bremsklotz und führte dazu, dass die bereits fertige Planung kurzfristig gestoppt wurde. Daraufhin protestierten der Elternrat der Schule, der ADFC Hamburg sowie Kurs Fahrradstadt sehr entschieden, und der öffentliche Druck wirkte: Die Schulstraße in der Rellinger Straße kommt – ohne Wenn und Aber.

Diese Entwicklungen zeigen: Ob sicheren Schulwegen Priorität eingeräumt wird, hängt von mehreren Faktoren ab: Die politischen Mehrheiten in den Bezirken, das Engagement von Schulen und Eltern sowie die Einsatzbereitschaft der Mobilitätsabteilungen der Bezirksämter und der Polizei, das alles spielt dabei eine wichtige Rolle. Wenn einer dieser Faktoren schwächelt, kann der gesamte Prozess ins Stocken geraten.

 

Schulstraßen sind nicht alles

Nicht für jede Schule ist eine Schulstraße die passende oder allein ausreichende Lösung. Entsprechend wenden sich viele Hamburger Schulen weiterhin an Politik, Polizei und Verwaltung, um größere Sicherheit auf dem Schulweg zu erreichen. Immer häufiger setzen sie dabei – neben den Gesprächen mit politischen Entscheidungsträger*innen – auf Verkehrsdemonstrationen, um auf gefährliche Situationen aufmerksam zu machen.

Ein Dauerthema in diesem Zusammenhang sind sichere Überwege. Vielerorts mangelt es weiterhin an gut einsehbaren und sicheren Querungsmöglichkeiten. Die Straßen im Umfeld von Schulen sind häufig dicht zugeparkt, sodass die Kinder gezwungen sind, sich zwischen den stehenden Fahrzeugen hindurch zu tasten, was erhebliche Risiken mit sich bringt.

Als aktuelles Beispiel sei die Zukunftsschule Alsterpalais genannt. Kinder, Eltern und Pädagog*innen fordern hier eine gesicherte Querung über die Alsterdorfer Straße, durchgehend Tempo 30 im gesamten Schulumfeld sowie blinkende Geschwindigkeits-Hinweisschilder. Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, wurde am 4. Februar 2026 von engagierten Eltern eine Roter-Teppich-Demonstration organisiert. Dabei wurde symbolisch ein roter Teppich quer über die problematische Querungsstelle ausgerollt, um den Kindern zumindest für einen Tag Vorrang und bessere Sichtbarkeit im Straßenverkehr zu verschaffen.

Verkehrsberuhigung rund um Schulen

Noch immer fehlt vielerorts Tempo 30 im Umfeld von Schulen in Hamburg. Dabei bietet die Novelle der Straßenverkehrsordnung von 2024 ausreichend Spielräume, um Verkehrsberuhigungen auf stark frequentierten Schulwegen einzuführen und die Verkehrssicherheit von Kindern nachhaltig zu verbessern. Hier ist insbesondere die Innenbehörde von Senator Andy Grote (SPD) gefordert.

Als Beispiel sei der Basselweg in Stellingen genannt. Dort setzt sich eine Initiative aus Anwohnenden sowie engagierten Eltern für Tempo 30 ein. Viele Kinder und Jugendliche sind hier derzeit im Tempo-50-Mischverkehr unterwegs, Radwege fehlen vollständig und die Gehwege sind schmal. Eine Verkehrsberuhigung wurde bislang von der Polizei abgelehnt, doch der Widerstand wächst. Die Initiative machte bereits durch eine Online-Petition und einen offen Brief an den Verkehrssenator auf ihr Anliegen aufmerksam. Auch hier ist geplant, den politischen Druck weiter zu erhöhen.

Für sichere Schulwege sind verbindliche Vorgaben und eine zentrale, bezirks- übergreifende Koordination nötig.

 

Elterntaxis

Ein weiteres Dauerthema an vielen Schulen sind die sogenannten Elterntaxis. Um die eigenen Kinder möglichst bequem zur Schule zu bringen, werden ständig Halteverbote missachtet, halten Fahrzeuge auf Zebrastreifen an, werden Autotüren unvermittelt geöffnet – alles Situationen, die für Kinder hochgefährlich sind und zu schweren Unfällen führen können.

In diesem Kontext wurde von der Grundschule Windmühlenweg in Osdorf im Februar 2026 ebenfalls eine Roter-Teppich-Demonstration veranstaltet, bei der das Thema Elterntaxis gezielt in den Fokus gerückt wurde. Bereits im September 2025 hatte die Schule durch ein vom ADFC entwickeltes Banner für einen autofreien Schulweg geworben.

Vielfältiges Engagement

Langfristig braucht es an diesen und vielen anderen Schulen ein ganzes Bündel an Maßnahmen: Neben einer stärkeren Präsenz der Polizei sowie konkreten ordnungsrechtlichen Konsequenzen sind vielerorts auch bauliche Maßnahmen notwendig, um die Schulwege dauerhaft sicherer zu machen.

Was jedoch ganz deutlich wird: Das vielfältige Engagement von Eltern – und des ADFC – für sichere Schulwege wirkt und treibt die Schulmobilität in Hamburg voran. Wie bei den Schulstraßen darf die Verantwortung dafür jedoch nicht allein vom Engagement einzelner Schulen oder von politischen Mehrheiten in den Bezirken abhängen. Verbindliche politische Vorgaben und eine zentrale, bezirksübergreifende Koordination sind nötig, damit sichere und kindgerechte Schulwege in ganz Hamburg zum Standard werden.

Katharina Lepik

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