
Ich will sicher zur Schule - so die Forderung einer jungen Teilnehmerin auf der Kinder Fahrrad Demonstration Kidical Mass © ADFC Hamburg / Kay Brockmann
40 Prozent mehr Schulwegunfälle — Hamburg muss jetzt handeln
Sichere Schulwege sind die Grundlage für selbständige Mobilität von Kindern und Jugendlichen. Hamburg muss hier endlich geeignete Maßnahmen ergreifen, um seiner Schutzpflicht gerecht zu werden.
Die Verkehrssicherheitsbilanz 2025 der Hamburger Polizei nennt alarmierende Zahlen: Insgesamt waren es 457 Unfälle mit Kindern und Jugendlichen in 2025 (+25%). Davon 130 Schulwegunfälle. Die Zahl dieser Unfälle liegt damit um 40 % höher als im Vorjahr.
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) Hamburg, „Roter Teppich für Kinder“ sowie FUSS e.V. Hamburg fordern daher: Die Sicherheit der Schulwege muss Chef*innensache werden.
„Die aktuellen Zahlen sind besorgniserregend“, sagt Leo Strohm vom ADFC Hamburg. „Dabei werden viele Beinahe-Unfälle oder leichtere Vorfälle gar nicht erst erfasst. Aber jedes Kind, das auf dem Schulweg verunglückt, zeigt das Versagen der Erwachsenen in Politik und Verwaltung.“
Für die drei Organisationen gilt: Sichere Wege zur Schule sind keine freiwillige Leistung, sondern Teil der staatlichen Schutzpflicht gegenüber Kindern und Grundlage für selbständige Mobilität, Gesundheit und Teilhabe.
Konkrete Maßnahmen jetzt umsetzen
Der ADFC Hamburg, die schulübergreifende Elterninitative „Roter Teppich für Kinder“ und FUSS e.V. Hamburg fordern die Innenbehörde und die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende (BVM) auf, umgehend konkrete präventive Maßnahmen umzusetzen. Welche das sein können, ist der Öffentlichkeit schon lange bekannt: Flächendeckendes Tempo 30, insbesondere vor Schulen und auf Schulwegen, sichere, gut sichtbare Querungen mit Zebrastreifen als Regelfall. Auch die Einführung von Schulstraßen, die temporär oder dauerhaft autofrei gehalten werden, muss in allen Hamburger Bezirken endlich vorangetrieben werden.
Darüber hinaus ist es wichtig, in Zusammenarbeit mit Polizei, Behörden, Eltern und Schulen verpflichtende Schulwegkonzepte zu erarbeiten und für deren Einhaltung zu sorgen. Dazu gehören auch konsequente Parkverbote und Sanktionen bei Falschparkern, unterstützt durch bauliche Maßnahmen wie Poller an Einmündungen oder Markierungen, um Falschparken noch effektiver zu verhindern.
„Hamburg misst gelungene Verkehrspolitik noch immer an Parkplätzen – wir fordern, sie endlich an Kindern zu messen“, so Katharina Lepik von „Roter Teppich für Kinder“. „Was für Kinder sicher ist, ist für alle sicher.“
Neue Straßenverkehrsordnung eröffnet Handlungsspielräume
Die reformierte Straßenverkehrsordnung gibt Kommunen mehr Möglichkeiten, Tempo 30 anzuordnen – insbesondere zum Schutz von Kindern und anderen besonders gefährdeten Verkehrsteilnehmenden. Hamburg muss diese Chance jetzt endlich konsequent nutzen.
“In Bezug auf den Rad- und Fußverkehr ist der Senat seinem Ziel, die Vision Zero umzusetzen, also null Tote und Schwerverletzte im Straßenverkehr, keinen Schritt näher gekommen. Hier muss endlich gehandelt werden” so Leo Strohm. „Wir brauchen klare Prioritäten im Sinne von Vision Zero“, betont auch Gabi Neubert, Ortsgruppe des Fuss e.V. Hamburg (Mitgl.Vorstand). „Hamburgs Kinder sind der Maßstab für eine erfolgreiche Verkehrswende. Wege, die für Kinder sicher sind, sind es für alle Altersgruppen."
