Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Tests 2020

 

Hamburg wieder nur "ausreichend": großer Nachholbedarf bei sicherer Radinfrastruktur.

Beim bundesweiten ADFC-Fahrradklima-Test 2020 stagniert Hamburg mit einer Durchschnittsnote von 4,1 im Mittelfeld der Städte über 500.000 Einwohner.

 

Genau 4.257 Hamburger*innen haben am bundesweiten Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) im Herbst 2020 teilgenommen. Gegenüber 2018 hat sich die Gesamtnote von 4,21 auf jetzt 4,1 minimal verbessert. Unzufrieden sind Hamburgs Radfahrer*innen vor allem mit häufig viel zu schmalen Radwegen, mit der Sicherheit insbesondere in Bezug auf Gefährdung durch zu schnell fahrende und falsch parkende Autofahrer*innen sowie mit Ampelschaltungen, die häufig mehrere Grünphasen für Radfahrer*innen erfordern, um eine Kreuzung zu queren. Dagegen schneidet wie in den vorherigen Umfragen auch das StadtRAD-System wieder gut ab, ebenso die Fahrradmitnahme in Bussen und Bahnen sowie die Werbung für den Radverkehr. In der 2020 erstmals durchgeführten Zusatzbefragung "Index der Wichtigkeit" wünschen sich Hamburgs Radfahrer*innen vor allem eine höhere Akzeptanz als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer*innen und zudem mehr Sicherheit auf den Straßen.

Größtes Problem: der Zustand der Radwege

Im Vergleich mit anderen Großstädten werden insbesondere der Zustand, die Oberflächenqualität oder auch die Breite von Radwegen sowie der Winterdienst in Hamburg schlechter bewertet als im bundesdeutschen Durchschnitt. Am Ende der Bewertungsskala der Einzelbewertung finden sich die mangelnde Ahndung von falsch geparkten Autos sowie nochmals: die Breite von Radwegen in Hamburg.

Seit nunmehr acht Jahren bewerten Hamburgs Radfahrer*innen also das Verkehrsklima und die Infrastruktur in ihrer Stadt auf konstant niedrigem Niveau mit der Note "ausreichend". Die Maßnahmen des Senats zur Radverkehrsförderung führen offenbar trotz steigendem Radaufkommen nicht zu mehr Zufriedenheit oder einer besseren Stimmung unter Hamburgs Radfahrer*innen.

 

Falschparker
Durch Falschparker auf Radwegen werden Hamburgs Radfahrer*innen erheblich gefährdet. © ADFC april agentur

Tom Jakobi, stellvertretender Landesvorsitzender des ADFC Hamburg

„Durch Werbung für den Radverkehr verbessern sich Sicherheit und Komfort beim Radfahren noch nicht. Hamburg schneidet im Fahrradklima-Test weiterhin nicht gut ab, während andere Großstädte wie Bremen zeigen, dass deutlich bessere Ergebnisse erzielbar sind. Obwohl in Hamburg punktuell Lichtblicke in Form von Protected Bike Lanes oder Kopenhagener Radwegen entstehen sollen, fehlen spürbare, hamburgweite Fortschritte. Wo wenig Verkehrsraum ist, wird bei Neuplanungen in der Regel nach wie vor zuerst an der Radwegebreite gespart, wie sich in der Umfrage bestätigt.  Hier müsste Hamburg sich deutlich mehr vornehmen, zumal auch die Haushaltsmittel zur Verbesserung der Radinfrastruktur nur marginal wachsen sollen. Und auch mit kostengünstigen, ergänzenden Maßnahmen ließe sich die Situation deutlich verbessern, beispielsweise durch die konsequente Ahndung von Falschparkern auf Radwegen, Tempo 30 auf allen Straßen mit Mischverkehr und mit deutlich mehr Fahrradstraßen. Für viele dieser kleineren Maßnahmen bräuchte es nur geeignetere Vorgaben des Senats an seine Behörden.“

 

Cajus Pruin, stellvertretender Landesvorsitzender des ADFC Hamburg

„Hamburg wird seinem Anspruch auf eine Vorreiterrolle in Sachen Fahrradstadt nicht gerecht. Die Befragung zeigt, dass trotz signifikant gestiegenem Radverkehrsanteil noch immer große Unzufriedenheit über die Verteilung des öffentlichen Verkehrsraums auf die einzelnen Verkehrsträger herrscht, über die auch die umfangreichen Kampagnen der letzten zwei Jahre nicht hinwegtäuschen können. Das annähernd gleich gebliebene schlechte Ergebnis bei höherer Beteiligung zeigt, dass die deutlichen Kritikpunkte an der vorhandenen Infrastruktur substantiell sind."

Rekord: Rund 230.000 Teilnahmen, 1.024 Städte in der Wertung

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Befragung zur Zufriedenheit der Radfahrenden weltweit. Er wird vom Fahrradclub ADFC alle zwei Jahre mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums durchgeführt und fand 2020 zum neunten Mal statt. Rund 230.000 Radfahrerinnen und Radfahrer haben bei diesem Durchgang abgestimmt, davon nur 15 Prozent ADFC-Mitglieder. 1.024 Städte kamen in die Wertung, mehr als jemals zuvor. Bei den 27 Fragen ging es darum, ob man sich auf dem Rad sicher fühlt, wie gut die Radwege sind und ob die Stadt in Zeiten von Corona das Fahrradfahren besonders fördert.

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Falschparker

Zugeparkter Radweg

Copyright: ADFC april agentur

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https://hamburg.adfc.de/pressemitteilung/fahrradklimatest

Häufige Fragen von Alltagsfahrern

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    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 190.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

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    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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