Radfahrende auf der Reeperbahn zwischen Kfz ohne Radweg

Auf der vierspurigen Reeperbahn gibt es trotz Tempo 50 keinen Radweg © ADFC Hamburg

„Flop-10“ Hamburger Straßen ohne Radinfrastruktur

 

ADFC veröffentlicht „Flop-10“ Hamburger Straßen ohne Radinfrastruktur und fordert den Senat auf, auch dort für sichere Radinfrastruktur zu sorgen, wo bislang überhaupt nichts für Radfahrende getan wurde.

 

Der rot-grüne Senat hat sich zum Ziel gesetzt, Hamburg zur Fahrradstadt zu machen und die Mobilitätswende auf die Straße zu bringen. „Doch vielerorts sind die vorhandenen Radwege nicht nur kaputt und veraltet“, sagt Tom Jakobi vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Hamburg. „Es gibt darüber hinaus sogar immer noch zu viele wichtige Verbindungsstraßen, auf denen Radfahren offenbar überhaupt nicht erwünscht ist, weil es absolut kein Angebot fürs Rad gibt – und auch nichts von der Stadt geplant wird“.

Der ADFC hat die zehn schlimmsten Beispiele für solche Straßen in einer Negativrangliste zusammengestellt und mit einer kurzen Beschreibung versehen. Diese „Flop-10“ beinhalten ausschließlich Straßenabschnitte, auf denen es weder Radwege gibt noch die Stadt welche plant. „Es sind dabei allesamt Straßen, die breit genug sind, um ohne aufwändige Umbauten Lösungen für sichere Bedingungen fürs Rad herzustellen – etwa durch sogenannte Pop-up-Radwege“, sagt Jakobi.

„Auf diesen schlimmsten zehn Hamburger Straßen ohne irgendeine Radinfrastruktur muss sich dringend was ändern“, fordert Jakobi. Der Senat solle innerhalb von sechs Monaten Pläne für diese Straßen vorlegen, wie dort zunächst mit Pop-up-Lösungen Sicherheit und Komfort des Radverkehrs verbessert werden können, bevor diese fahrradfreundlichen Lösungen verstetigt werden.

Der ADFC Hamburg hat bereits auf Straßen wie der Reeperbahn, der Wandsbeker Chaussee und An der Alster vorgeführt, wie schnell und einfach Pop-up-Radwege die Sicherheit und den Komfort für Radfahrer*innen verbessern. Auch die Stadt Hamburg hat vereinzelt solche Lösungen bereits gebaut, etwa Beim Schlump. Jakobi: „Wir werden anhand dieser Liste messen, wie ernst es der Senat mit der von ihm versprochenen Fahrradfreundlichkeit meint und ob sich bei den Flop-10 innerhalb von sechs Monaten etwas tut.“

Eine Petition für Pop-up-Radwege in Hamburg des Fahrradclubs haben mehr als 13.000 Menschen unterschrieben. Die Unterschriften hatte der ADFC anlässlich einer Pop-up-Radweg-Aktion auf der Reeperbahn am 24. Oktober 2020 an Verkehrssenator Anjes Tjarks übergeben (http://www.change.org/pop-up-radweg-hamburg).

 

Die ADFC-Flop-10 Hamburger Straßen ohne Radinfrastruktur

  • Reeperbahn (St. Pauli, Altona) Die Straße ist ein Aushängeschild Hamburgs und stellt eine zentrale Ost-West-Verbindung für die gesamte südliche Innenstadt dar. Sie wird mit dem Umbau der Königstraße noch an Bedeutung für den Radverkehr gewinnen. Trotz vier Fahrspuren, zusätzlichen Parkbuchten und Parkstreifen gibt es auf der Reeperbahn bislang keinen Radweg.

  • Herbert-Weichmann-Straße / Sierichstraße (Uhlenhorst, Barmbek) Der Wechselverkehr ermöglicht Autos schnelles und direktes Vorwärtskommen auf zwei Fahrspuren. Der Radverkehr bekommt keinen Platz, sondern wird in größeren Schleifen umständlich entlang des Alsterufers umgeleitet – einer Fahrradstadt unwürdig.

  • Simon-von-Utrecht-Straße (St. Pauli, Altona) Diese stark belastete Straße erinnert an eine innerstädtische KFZ-Rennstrecke und wird auch oft so von Autofahrer*innen genutzt. Radinfrastruktur: Fehlanzeige.

  • St.-Pauli-Fischmarkt: Fahrtrichtung Osten (St. Pauli, Altona) Hier verläuft der internationale Elberadweg, nur existiert streckenweise überhaupt gar kein Radweg. „Radfahrer frei“ heißt es dann auf dem Gehweg, sodass Rad- und Fußverkehr sich gegenseitig behindern, während Autos teils mehrere Fahrspuren haben.

  • Buxtehuder Straße / B 73 (Harburg) Die Buxtehuder Straße stellt die wichtigste Harburger Ost-West-Verbindung dar und erschließt gleichzeitig viele Geschäfte und Wohnhäuser. Dass man in Harburg auch in Westrichtung sicher Rad fahren möchte, ist in Harburg planerisch offenbar nicht berücksichtigt worden.

  • Lesserstraße (Wandsbek) Ein breiter Straßenquerschnitt wird südlich des Bundeswehr-Krankenhauses mit KFZ-Parkmöglichkeiten auf beiden Seiten kombiniert. Auf die Idee, auch dem Radverkehr Teile des vorhandenen Platzes einzuräumen, kam die Stadt bisher offenbar nicht.

  • Nedderfeld (Eppendorf) Drei KFZ-Fahrspuren, kein Platz fürs Rad. Hier müssen Radfahrer*innen schon sehr mutig sein, um sich auf die Straße zu trauen.

  • Ring 2 zwischen Barmbek und Wandsbek Selbst neue Planungen setzen häufig noch falsche Prioritäten, wie dieser Abschnitt zeigt, auf dem Radfahrer*innen plötzlich auf dem Gehweg fahren sollen. Das Zusatzzeichen „Radfahrer frei“ auf Gehwegen ist unsicher, bremst den Radverkehr aus und bedrängt den Fußverkehr.

  • Bei St. Annen (Hafencity) Selbst mitten in der City gibt es sehr breite Straßen ohne irgendeine Lösung für den Radverkehr, wie dieses traurige Beispiel zeigt – wenigstens ist die Straße eher kurz.

  • Großmannstraße (Rothenburgsort) Die Großmannstraße ist ein besonders eindrucksvolles Beispiel für KFZ-gerechte Straßenplanung und gehört als solches eigentlich ins Museum – nicht aber in eine Stadt, die Fahrradstadt werden möchte.


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    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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