Solar-Pedelec mit 4 Rädern

Vierrädrige Pedelecs wie das Solar-Velomobil pedilio sind eine nachhaltige Mobilitäts-Alternative für die alltäglichen Fahrten von Pendler*innen. © pedilio.de

ITS-Technologien müssen den Mobilitätsbedürfnissen der Menschen dienen

 

Auf dem 27. ITS-Weltkongress, der diese Woche in Hamburg stattfindet, werden die Projekte der Automobillobby für vernetztes und automatisiertes Fahren als angeblich nachhaltig verklärt, kritisiert der Fahrradclub.

 

Anlässlich des 27. Weltkongresses für „Intelligente Transport-Systeme“ (ITS) vom 11. bis 15. Oktober 2021 in Hamburg stellt der Senat den öffentlichen Stadtraum der Automobil- und IT-Industrie als „Reallabor“ zur Erprobung von automatisierten und vernetzten Fahrzeugen zur Verfügung. Konzepte und Ideen, die nicht zu den Plänen der Automobillobby passen, sind auf dem Kongress dagegen nicht vorgesehen. „Wir hatten ein Diskussionsforum zu alternativen ITS-Strategien auf dem Kongress angeboten,“, sagt Stephan Dzialas, Sprecher der Projektgruppe ITS des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Hamburg, „aber der Veranstalter ERTICO lehnte ab.“

Obwohl der Radverkehr laut Senat bis 2030 dreißig Prozent des Gesamtverkehrs in Hamburg ausmachen und so entscheidend zum Erreichen der Klimaziele beitragen soll, werde er auf dem ITS-Kongress nur als Nebenaspekt behandelt, kritisiert Dzialas. Projekte wie die Smartphone-App „PrioBike-HH“ beispielweise seien Augenwischerei: Mit einer Priorisierung des Radverkehrs, wie der Name suggeriert, hat das Projekt nur wenig zu tun. Zwar können Radfahrende mit der App auf ihrem Smartphone sehen, wann die nächste Ampel grün zeigt, um dann entsprechend schneller oder langsamer zu fahren. Aber eine Priorisierung des Radverkehrs wird nicht durch Apps erreicht, sondern durch gute Infrastruktur fürs Fahrrad. Anstatt die Geschwindigkeiten der unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer:innen durch verpflichtende Tempodrosseln zu harmonisieren und die Ampelschaltungen darauf abzustimmen, dienen ITS-Projekte wie PrioBike-HH dazu, alle Verkehrsteilnehmer:innen, ob motorisiert oder unmotorisiert, mit der Infrastruktur und untereinander zu vernetzen („Vehicle to Everything“, V2X). Dzialas: „Ist diese Vernetzung auch gut für die Menschen, oder erfüllt die Stadt damit nur den Wunsch ihrer Mobilitätspartner aus der Automobil- und IT-Branche, den öffentlichen Raum für die Bedürfnisse autonomer Autos vorzubereiten?“. Das bedeutete aber in letzter Konsequenz, dass sich im öffentlichen Raum Menschen nur dann sicher bewegen könnten, wenn sie von diesen Fahrzeugen leicht identifiziert werden würden. 

Der ADFC fordert, Digitaltechnik auf sinnvolle Weise für eine menschen- und umweltfreundliche Mobilitätswende einzusetzen: „Etwa indem die Nutzung der bis zu 45 km/h schnellen Speedpedelecs, die sich auch für längere Strecken eignen, attraktiver und zur echten Alternative zu schweren E-Autos wird“, so Dzialas. „Beispielsweise durch eine Harmonisierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeiten: 45 km/h auf Hamburgs Magistralen und Tempo 30 km/h auf allen anderen Straßen.“ So würden riskante Überholmanöver vermieden und der Verkehr insgesamt flüssiger werden. 

Weitere Möglichkeiten, Digitaltechnik in diesem Sinne intelligent und menschengerecht einzusetzen, seien die Ausweisung von Quartieren, in die nur Fahrzeuge mit automatischen Tempodrosseln und Abbiegeassistenten einfahren dürfen, oder auch die Legalisierung von Speedpedelecs mit gedrosseltem 25 km/h-Modus, damit sie auch Radwege benutzen dürfen. Zudem schlägt der ADFC vor, das StadtRAD-System konsequent durch E-Lastenräder und Pedelecs zu erweitern. 

Dzialas: „Mehrspurige Leichtfahrzeuge wie das Pedilio könnten, wenn sie sich im Mischverkehr etablieren, auch für das autonome Fahren auf abgetrennten Bahnen jenseits des Mischverkehrs ausgestattet werden.“ In der Zukunft wären sogar architektonisch elegante, schlanke Hochbahnkonstruktionen für diese Art von Leichtfahrzeugen denkbar. „Solche Projekte sind einfacher umzusetzen als die vollständige Vernetzung von  Menschen und Fahrzeugen im öffentlichen Raum“, so Dzialas. Sie wären zudem für eine Tür-zu-Tür-Mobilität effektiver und umweltfreundlicher als U-Bahnprojekte oder Lufttaxis.  

 


Der Newsletter vom ADFC-Hamburg

Der kostenlose Newsletter des ADFC Hamburg informiert ein bis drei Mal im Monat über Neuigkeiten zum Radfahren in Hamburg und über die Arbeit des ADFC.
zur Anmeldung

Du kannst dich jederzeit über einen Link im Newsletter wieder abmelden.

https://hamburg.adfc.de/pressemitteilung/its-technologien-muessen-den-mobilitaetsbeduerfnissen-der-menschen-dienen

Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen

  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 190.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

    weiterlesen

  • Wie erreiche ich den ADFC Hamburg?

    Geschäftsstelle des ADFC Landesverband Hamburg e.V.
    Koppel 34-36
    20099 Hamburg

    Telefon: +49 40 39 39 33
    Fax: +49 40 3 90 39 55
    E-Mail: kontakt [at] hamburg.adfc.de

     

    Erreichbarkeit
    Die Geschäftsstelle ist an Werktagen grundsätzlich telefonisch erreichbar. Anrufe können jedoch nicht immer persönlich entgegen genommen werden. Nachrichten auf dem Anrufbeantworter sind sehr willkommen und werden (werk)täglich abgehört und beantwortet.
    Bitte nutzen Sie auch unsere E-Mail-Adresse.

    Persönliche Termine sind nach Absprache möglich.

    weiterlesen

  • Wie kann ich den Newsletter abonnieren?

    Der kostenlose Newsletter des ADFC Hamburg informiert ein bis drei Mal im Monat über Neuigkeiten zum Radfahren in Hamburg und über die Arbeit des ADFC.

    Hier geht's zur Anmeldung
    Du kannst dich jederzeit über einen Link im Newsletter wieder davon abmelden.

  • Wo kläre ich meine Fragen zur Mitgliedschaft?

    Für Änderungen zur Mitgliedschaft stellen wir verschiedene Formulare bereit, mit denen du z.B. eine neue Anschrift ganz einfach mitteilen kannst. Du benötigest lediglich deine Mitgliedsnummer.

    Mitglied werden kannst du hier.

    Bei Fragen zur Mitgliedschaft hilft dir unser zentraler Mitgliederservice in Bremen gerne weiter: +49 421 34 62 923.

    Eine Übersicht zu unseren Mitgliedervorteilen findest du hier.

  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

    weiterlesen

Ich möchte dabei sein!

Bleiben Sie in Kontakt