
Der aktuelle Rad- und Gehweg auf der Neuen Elbbrücke ist bereits gefährlich schmal. Auf der neuen Behelfsbrücke sollen sich Radfahrende und Fußgänger*innen laut den Plänen des Senats noch weniger Platz teilen. © ADFC Hamburg
Neue Elbbrücken: Das „Tor zur Welt“ wird gefährliches Nadelöhr für Radfahrende
ADFC kritisiert Pläne des Senats: Nur 150 cm für Radfahrende und Fußgänger*innen zwischen den Geländern der Behelfsbrücke sind ein Sicherheitsrisiko!
Laut den jüngst bekannt gewordenen Plänen von Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) sollen sich Radfahrende und Fußgänger*innen, die über die Elbe wollen, noch mehr als zehn Jahre lang mit gefährlich wenig Platz begnügen müssen. „Die von Tjarks als schnelle Lösung gefeierte Behelfsbrücke an den Neuen Elbbrücken ist für Radfahrende kein ,Sprung über die Elbe‘“, sagt Thomas Lütke vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Hamburg. „Angesichts des geplanten, nur 1,50 Meter schmalen gemeinsamen Rad- und Gehwegs lässt sich, ausgerechnet auf der Radroute 12, eher von einer Aufforderung zum ,Sprung in die Elbe‘ sprechen.“
Der Senat habe sich dafür entschieden, für den Kfz-Verkehr dort möglichst schnell eine zusätzliche leistungsfähige Verbindung und eine Behelfsbrücke mit zwei weiteren Fahrstreifen über die Elbe zu bauen. Klimafreundliche Verkehrsarten speist der Senat dagegen mit einer Resterampe ab. „Für den Rad- und Fußverkehr nimmt er dabei die Minimallösung in Kauf, die die Modulbauweise anbietet – auf Kosten der Sicherheit und des Komforts aller Menschen, die mit dem Rad oder zu Fuß über die Elbe wollen.“
Außer dem Alten Elbtunnel stellen die Neuen Elbbrücken in Hamburg die einzige feste Elbquerung zwischen Geesthacht und der Elbmündung in die Nordsee dar. Dass sich Radfahrende und Fußgänger*innen auf dieser wichtigen Nord-Süd-Verkehrsverbindung, die Teil von mehreren Hamburger Rad- und Freizeitrouten ist, einen nur 1,50 Meter schmalen Weg teilen sollen, ist aber nicht nur gefährlich. Die Planung des Senats ignoriert auch die geltende Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung und alle aktuellen technischen Standards, wie etwa die vom Senat selbst erstellten „Hamburger Regelwerke für Planung und Entwurf von Stadtstraßen“ (ReStra). Danach ist bei Neubaumaßnahmen eine Radwegbreite von mindestens 2,50 Meter zwingend einzuhalten.
„Eine Behelfsbrücke für mindestens zehn Jahre stellt eben kein kurzfristiges Provisorium dar, sondern beeinflusst für lange Zeit die Verkehrsmittelwahl der Menschen“, so Lütke. „Auch sie muss daher den Anforderungen an eine moderne und zukunftsweisende Verkehrsinfrastruktur gerecht werden – zumal der Radverkehr dort noch zunehmen soll.“
Beim Bau der geplanten Behelfsbrücke bestehe laut Fahrradclub ein Rechtsanspruch, dass sich die Stadt an die geltenden Regelwerke halten müsse – Modulbauweise hin oder her. „In Anbetracht des dringenden Handlungsbedarfs sind Kompromisse vermutlich unausweichlich“, sagt Lütke. „Aber diese können nicht in einer solch drastischen Missachtung der Sicherheits- und Platzbedürfnisse von Radfahrenden und Fußgänger*innen bestehen, wie sie die jetzige Planung des Senats bedeutet“.
Forderungen des Fahrradclubs
Angesichts des dringenden Handlungsbedarfs fordert der Fahrradclub, den rechten Fahrstreifen auf der Behelfsbrücke als geschützten Radweg in beide Richtungen einzurichten. Eine solche Lösung würde auch die Situation für Radfahrende in Süd-Nord-Richtung verbessern. Der 1,50 Meter breite Weg am Außenbereich der Behelfsbrücke stünde bei dieser Lösung ausschließlich dem Fußverkehr in beide Richtungen zur Verfügung. Für den wichtigen Wirtschaftsverkehr zum Hafen wird es mit Bau der Behelfsbrücke einen zusätzlichen Fahrstreifen auf den Neuen Elbbrücken geben.
Sollte eine solche Lösung nicht möglich sein, schlägt der Fahrradclub als Alternative den Bau einer weiteren, zweiten Behelfsbrücke über die Elbe vor, die allein für den Rad- und Fußverkehr ist – wie zum Beispiel die jüngst eingeweihte Brücke über den Oberhafenkanal bei Entenwerder.
Aus Sicht des Fahrradclubs vergibt der Senat mit seinen Plänen für die Behelfsbrücke auf viele Jahre eine wichtige Chance für eine nachhaltige und zukunftsfähige Verkehrsentwicklung. „Wenn Hamburg Fahrradstadt werden will, muss sich dieser Anspruch auch an den zentralen Elbquerungen zeigen“, so Lütke. „Wie soll die Mobilitätswende gelingen, wenn Radfahrende an einer der wichtigsten Verkehrsachsen der Stadt über viele Jahre hinweg keine sichere, attraktive Infrastruktur vorfinden?“
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