
Stellungnahme zur Pressemitteilung "Unfälle am Deich"
Aus aktuellem Anlass veröffentlicht der ADFC Hamburg folgende Stellungnahme zur Pressemitteilung vom 4. August 2026 "Unfälle am Deich: Wenn Appelle nichts bringen, müssen Politik & Polizei handeln".
Für den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Hamburg ist das Thema gegenseitige Rücksichtnahme und Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden im Straßenverkehr von zentraler Bedeutung. Als Verein, der unter anderem die Verkehrssicherheit als Satzungsziel verfolgt, fühlen wir uns verpflichtet, die Öffentlichkeit und die Politik auf offensichtliche Missstände im Hamburger Straßenverkehr hinzuweisen. Unser Ziel ist die „Vision Zero“, also eine Stadt, in der es keine schwer verletzten oder getöteten Menschen im Straßenverkehr gibt. Andere europäische Großstädte wie Brüssel oder Helsinki machen erfolgreich vor, wie das geht.
Neben unseren Dienstleistungen zur Vermittlung der Verkehrsregeln der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) und dem Angebot von Fahrsicherheitstrainings arbeiten wir auch gemeinsam mit der Politik und Polizei an diesem Ziel. So unterstützen wir auch weiterhin zum Beispiel im Hamburger „Forum Verkehrssicherheit“ gemeinsam mit Radsportverbänden die Kampagne „Kopf hoch“ für Radfahrende am Deich. Denn auch dort gelten selbstverständlich die Verhaltensregeln, um vorausschauend und rücksichtsvoll zu fahren.
Uns liegen Wohl und Gesundheit aller Menschen sehr am Herzen. Menschen gehen Risiken ein, wenn ihnen diese subjektiv beherrschbar erscheinen. Menschen machen auch Fehler. Ziel jeder Verkehrssicherheitsarbeit ist daher, dass solche Fehler nicht zwangsläufig zu Unfällen führen und falls doch, dass die Unfallfolgen für die Beteiligten möglichst gering ausfallen.
Uns ist Empathie für alle Verkehrsopfer wichtig, unabhängig von jeder Schuld. Wir halten jede Form von Opferbeschuldigung für unangemessen.
Die Straßen in der Vierlande zählen bekanntermaßen zu den beliebtesten Trainingsstrecken von Radsportler*innen in der „Active City Hamburg“, die zudem stark von Radtourist*innen und Pendler*innen genutzt werden. Angesichts von 26 Auffahrunfällen allein im letzten Jahr 2025 und vier solcher Unfälle binnen einer Woche reichen Aktionen wie „Kopf hoch“ offensichtlich nicht aus. Sie beheben weder die seit Jahren bestehende Unfalllage am Deich noch verhindern sie, dass sich Menschen dort zum Teil schwer verletzen. Ein zynisches „Selbst schuld!“ kann dabei aber nicht im Sinne ernsthafter Verkehrssicherheitsarbeit sein.
Als eine weitere zusätzliche Maßnahme haben wir daher vorgeschlagen, in den betroffenen Straßenabschnitten am Deich ein Haltverbot für Kraftfahrzeuge anzuordnen.
Der ADFC fordert von allen Verkehrsteilnehmer*innen, sich rücksichtsvoll und vorausschauend zu verhalten. Dazu gehört ohne jede Einschränkung auch, dass Radfahrende den Blick nach vorne richten und aufmerksam für alles sind, was sich im Bereich vor dem Fahrrad abspielt. Wenn Appelle an die eigene Verantwortung oder Aufklärungskampagnen aber nicht die gewünschte Wirkung zeigen, ist es unverantwortlich, nicht über weitere zusätzliche Maßnahmen nachzudenken. Der ADFC Hamburg ist dazu bereit und bittet alle politisch Verantwortlichen, denen die Verkehrssicherheit am Herzen liegt, das ebenfalls zu tun. Die hohe Opferzahl weist darauf hin, dass es sich bei den Auffahrunfällen am Deich nicht um Ausnahmen handelt, sondern um ein spezifisches Unfallproblem, für das eine Lösung gefunden werden muss.
Für die Unversehrtheit unserer Mitmenschen – für die Vision Zero.