
Mahnwache für den 11-jährigen Simon in der Winsener Straße am 19. April 2026 © Tristan Presang & Sven Harms
Stoppt das Töten! Fahrradclub fordert sichere Radwege in Harburg
Am 15. April tötete ein Lkw-Fahrer beim Abbiegen einen 11-jährigen Radfahrer in der Winsener Straße in Hamburg-Harburg. Statt dafür zu sorgen, dass sich das nicht wiederholt, warten Bezirk und Senat auf den nächsten Crash.
„Wenn Bezirk und Senat weiterhin untätig bleiben, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es die nächsten Opfer dieser Verkehrspolitik gibt“, sagt Frank Schmoll vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Hamburg. „Ob an der Winsener Straße oder auf anderen Straßen und Kreuzungen in Harburg – der Bezirk versäumt es, sichere Infrastruktur zu bauen, die nicht allein die Interessen des Auto- und Lkw-Verkehrs berücksichtigt.“ Die Winsener Straße zähle weiterhin zu den gefährlichsten Straßen Hamburgs, wie sich am 15. April erneut bewiesen hat. „Bekannt ist das seit langem, geändert hat sich für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen dort bisher überhaupt nichts“, so Schmoll.
Sichere Radwege und Tempo 30
Um weitere Straßenverkehrsopfer zu verhindern, fordert der Fahrradclub den Bau von sicheren Radwegen in der Winsener Straße von der Hohen Straße/Hannoverschen Straße bis zur Rönneburger Straße. Schmoll: „Dort gibt es überhaupt keine Infrastruktur für den Radverkehr, während der Autoverkehr vier bis sechs Fahrstreifen hat“. Doch Bezirk und Senat ziehen eine gerechte Verteilung des Straßenraums bislang noch nicht einmal in Erwägung.
Als Sofortmaßnahme zur Erhöhung der Sicherheit von ungeschützten Verkehrsteilnehmer:innen in Harburg müsse dringend Tempo 30 zwischen Trelder Weg und Freudenthalweg. „Dort queren täglich hunderte Schüler*innen mit dem Rad oder zu Fuß auf dem Weg zu den Bushaltestellen die Winsener Straße“, sagt Schmoll. „Dort passierte auch der letzte tödliche Unfall und kommt es fast täglich zu gefährlichen Situationen für die Schulkinder.“ Weitere ADFC-Forderungen sind: Sofortige Einfärbung und Aufhöhung des den Freudenthalweg querenden Radwege der Winsener Straße und ein „Stop“-Schild für den Verkehr, der aus dem Freudenthalweg kommt.
Schmoll: „Zu Hauptverkehrszeiten und wenn die Winsener Straße aufgrund gesperrter Autobahnen zur Hauptumleitungsstrecke wird, nutzen aus dem Freudenthalweg kommende Auto- und Lkw-Fahrer*innen jede noch so kleine Lücke, um auf die Hauptstraße zu gelangen – Radfahrer*innen und Fußgänger*innen nehmen sie dann oftmals gar nicht mehr wahr“. An dieser Kreuzung hätte eine Ampel den Tod des 11-jährigen Jungen aller Wahrscheinlichkeit nach verhindert. Regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen, insbesondere der Abbiegegeschwindigkeit von Lkw-Fahrenden, seien ebenfalls dringend notwendig, um Harburgs Straßen sicherer zu machen. „Wir sind entsetzt über die Untätigkeit von Politik und Verwaltung, denen der Erhalt von Kfz-Parkständen anscheinend wichtiger ist, als der Schutz der schwächsten Verkehrsteilnehmer*innen und das Leben unserer Kinder“.
