Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Landesverband Hamburg e. V.

Vielfalt - auch auf dem Radweg!

Ganz allmählich werden Hamburgs Wege und Straßen barrierefrei. Neugierig erkunden Menschen, die ihr Leben einstmals überwiegend in ihrer Wohnung oder im Pflegeheim verbracht haben, ihre Stadt und fordern ihr Recht auf Teilhabe ein.

Mit der Vielfalt der Menschen wächst auch die Vielfalt der Fahrzeuge, mit denen sie sich fortbewegen.

Mein Handbike 

Ich fahre Handbike. Das heißt, ich nutze in meinem Alltag einen Rollstuhl und befestige, wenn ich längere Strecken zurücklegen möchte, ein zusätzliches elektrisch unterstütztes Rad an meinem Rolli. Wenn alles fest verschraubt ist, drücke ich die Vorderräder des Rollis mit einem Hebel so weit hoch, dass sie ein paar Zentimeter über dem Boden schweben – und fertig ist mein Dreirad. Wie bei einem Pedelec werde ich bis 25 km/h elektrisch unterstützt und muss selbst mit den Armen den Impuls geben. Meine Reichweite beträgt zwischen 50 und 100 Kilometern. Wenn ich größere Radtouren fahre, nehme ich immer einen zweiten Akku mit.

Für mich bedeutet das Handbike eine unvorstellbar große Freiheit. Allerdings kann ein Dreirad leicht kippen. Abschüssige Wege sind daher nicht ungefährlich, und auch ebene Straßen sind in der Regel so gebaut, dass sie Regenwasser zu den Seiten ableiten. Folglich fahre ich ungern auf der Straße, und wenn es mal nicht anders geht, nur mittig, was oft auf Unverständnis seitens der Autofahrenden oder anderer Radfahrer*innen stößt. Vielleicht trägt dieser Beitrag ja zu mehr Verständnis bei.

Vielfältige Gefahren 

Auch auf Radwegen kann es für mich gefährlich werden. Insbesondere bei Ein- oder Ausfahrten, beispielsweise von Garagen, muss ich aufpassen, dass ich nicht mitten auf die Straße kippe. Daher bremse ich an solchen Stellen ab und versuche, den Radweg in Richtung Gehweg zu verlassen.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass das Vorderrad leicht durchdreht, wenn der Weg steil bergauf führt. Dann brauche ich meist Unterstützung von anderen Personen. Bisher haben sich aber immer hilfsbereite Menschen gefunden. Am erschreckendsten war allerdings der Perspektivwechsel von einer Radfahrerin zur sitzenden beziehungsweise Handbike fahrenden Person im Straßenverkehr. Sehr häufig werde ich an Kreuzungen von Autofahrenden, insbesondere Lkw-Fahrenden, schlichtweg übersehen. An Baustellen habe ich aufgrund der Absperrungen, die mir die Sicht nehmen, keinerlei Überblick über das Geschehen auf der Straße und werde entsprechend auch nicht wahrgenommen.

Ich bin Mutter von drei Kindern, und auf dem Handbike befinde ich mich ungefähr in derselben Höhe wie sie, als sie damit begonnen haben, sich frei im Straßenverkehr zu bewegen. Mir war damals nicht klar, wie anders sie den Verkehr wahrnehmen beziehungsweise von den anderen Verkehrsteilnehmenden wahrgenommen werden. Da wünsche ich mir mehr Rücksichtnahme und Bewusstsein für ein echtes Miteinander.

Melanie Sandrock

alle Themen anzeigen

Verwandte Themen

Aktive der BG Mitte unterwegs im Bezirk

Bezirksgruppe Mitte

Der Bezirk Mitte erstreckt sich von Finkenwerder im Westen bis Billstedt im Osten, umfasst aber auch die Veddel und…

https://hamburg.adfc.de/artikel/vielfalt-auch-auf-dem-radweg

Bleiben Sie in Kontakt