Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Landesverband Hamburg e. V.

Bürger*innen-Dialog zur Vision Zero

Verkehrssenator Anjes Tjarks, Polizeipräsident Falk Schnabel und der Leiter der Verkehrsdirektion der Polizei, Thomas Model, im Gespräch zur Sicherheit für Radfahrende.

Diskussionsrunde mit ADFC, Tjarks, Schnabel und Model
Das Podium von links nach rechts: Cajus Pruin (ADFC-Vorstand), Leo Strohm (Moderation), Anjes Tjarks (Senator für Verkehr und Mobilitätswende), Falk Schnabel (Polizeipräsident), Thomas Model (Leiter der Verkehrsdirektion) © Henning Angerer

Ungefähr 70 interessierte Bürger*innen suchten am Dienstag, 26. Mai 2026, in der ADFC -Geschäftsstelle sowie im Live-Stream den Dialog mit Verkehrssenator Anjes Tjarks, dem Polizeipräsidenten Falk Schnabel und dem Leiter der Verkehrsdirektion der Polizei, Thomas Model. Hintergrund der ADFC-Veranstaltung waren die tödlichen Verkehrsunfälle mit Radfahrenden in den letzten Monaten. Cajus Pruin vom ADFC-Vorstand stellte in seinem einleitenden Statement fest, dass die Entwicklung der Radverkehrsinfrastruktur in Hamburg der rasanten Entwicklung des Radverkehrs nicht ausreichend Rechnung trägt. Eine Einschätzung, die im Prinzip auch von den Vertretern der Polizei und vom Verkehrssenator geteilt wurde. Sie erläuterten zunächst mit einer umfangreichen Präsentation die Entwicklung des Radverkehrs, die Unfallstatistik, die Präventionsmaßnahmen der Polizei sowie die Planungen der Behörde für Verkehr und Mobilität. Und auch sie zeigten sich besorgt über die steigenden Unfallzahlen, insbesondere über die Tatsache, dass die Hälfte der im Straßenverkehr Getöteten im Jahr 2025 Radfahrende waren. Leo Strohm vom ADFC-Vorstand moderierte den anschließenden Austausch.

Viel Kritik

Viele der Teilnehmenden vor Ort und am Stream äußerten Kritik an der Verkehrsinfrastruktur in Hamburg und nannten zahlreiche konkrete Beispiele. Es wurde auch der Vorwurf laut, dass zahlreiche Empfehlungen aus dem Positionspapier des ADFC-Hamburg zu Rechtsabbiegeunfällen in Hamburg noch nicht umgesetzt seien. Darüber hinaus wurden mehr Kontrollen für zu schnell fahrende oder falsch parkende Autofahrer*innen gefordert. Vielfach wird auch das Parkplatzmoratorium als Bremse für die Umsetzung der Verkehrswende gesehen. Der Verkehrssenator konterte das mit der gewagten These, dass das Parkplatzmoratorium sich sogar positiv für die Verkehrswende auswirken könne.

Insgesamt zeigten sich die Polizeivertreter und der Verkehrssenator sehr aufgeschlossen und hilfsbereit, dämpften jedoch gleichzeitig die Erwartungen: Die Städte, die im Copenhagenize Index als besonders fahrradfreundlich gelistet seien, arbeiteten seit den Siebzigerjahren an der Verkehrswende. Hamburg brauche also noch mehr Zeit, zumal in den letzten Jahren schon viel für den Radverkehr getan worden sei. Auch lasse die Personalsituation bei der Polizei noch intensivere Kontrollen nicht zu. Angesichts der hohen Unfallzahlen zeigten sich viele Teilnehmende jedoch am Ende ihrer Geduld und forderten rasches Handeln.

Miteinander reden

Einig waren sich Podium und Teilnehmende darin, dass das Thema Radverkehr nicht zu einem ideologischen Kulturkampf ausarten darf. Es ist wichtig, miteinander zu reden und gemeinsam tragfähige Lösungen für alle zu finden.

Unter dem Motto „Vision Zero Hamburg: Straßen ohne Opfer“ will der ADFC daher weitere Dialoge mit Politik und Interessengruppen organisieren und die Verkehrswende in Hamburg weiterhin kritisch begleiten.

https://hamburg.adfc.de/neuigkeit/buergerinnen-dialog-zur-vision-zero

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