
ADFC fordert: Stoppt das Töten auf Hamburgs Straßen!
Am Samstag, 31.01.2026, veranstaltet der ADFC eine Demo im Gedenken an den Radaktivisten Andreas Mandalka („Natenom“), der am 30.01.2024 von einem Autofahrer getötet wurde.
Angesichts der traurigen Rekordzahl von elf Fahrradtoten in Hamburg in 2025 fordert der ADFC endlich sichere Radwege.
Am 31. Januar gedenken bundesweit in zahlreichen Städten und Orten Menschen dem als „Natenom“ bekannten Radaktivisten Andreas Mandalka aus Pforzheim und allen Radfahrer\*innen, die im Straßenverkehr getötet wurden. In Hamburg waren es im letzten Jahr 11 Radfahrer\*innen, noch ein Mensch mehr als in 2024.
„Dieses Töten auf Hamburgs Straßen darf nicht weitergehen – und schon gar nicht mit weiter steigender Tendenz“, fordert Hans-Jörg Rüstemeier vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Hamburg. Obwohl sich der Senat seit Jahren das Ziel der Vision Zero, also von Null Toten und Schwerverletzten im Straßenverkehr, auf die Fahne schreibt, steigt die Zahl der getöteten Radfahrenden in den letzten fünf Jahren kontinuierlich. Rüstemeier: „Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis bewusster politischer Entscheidungen.“
Der Fahrradclub startet daher seine Gedenkfahrt genau vor der Parteizentrale der Hamburger SPD in der Kurt-Schumacher-Allee, um den Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher und Innensenator Andy Grote an ihre Verantwortung für eine Verkehrspolitik zu erinnern, die getötete Radfahrende zynischerweise als „Kollateralschaden“ akzeptiert.
„Was zieht ihr für Lehren aus den 11 Fahrradtoten des letzten Jahres?“, will Rüstemeier von den SPD-Politikern wissen. Und: „Was wollt ihr konkret dafür tun, damit in 2026 nicht wieder so viele oder sogar noch mehr Menschen getötet werden, nur weil sie in Hamburg mit dem Rad mobil sein wollen?“
Schutz von Menschenleben statt von Kfz-Parkständen!
Der Senat könnte beipielsweise, so Rüstemeier, Gesetzesinitiativen im Bundesrat anstoßen, die die Sicherheit von Radfahrenden konkret verbessern, etwa zur flächendeckenden Einführung von Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts. Stattdessen blockiere die SPD seit Jahren konsequent sichere Radinfrastruktur und verhindere beispielsweise den Bau von Fahrradstraßen oder verzögere Planungen in Hamburg. „Im Koalitionsvertrag 2025 hat die SPD dann mit dem sogenannten Parkplatzmoratorium sogar einen Baustopp für fahrradfreundliche Infrastruktur durchgesetzt“, sagt Rüstemeier. „Offenbar sind Tschentscher und Grote der Schutz von Auto-Parkplätzen wichtiger als der von Menschenleben.“
Wer Verkehrssicherheit ernst meint, müsse aber auch entsprechend handeln – und zwar jetzt und nicht erst nach der nächsten Wahl. Der Fahrradclub fordert daher vom rot-grünen Senat sichere Radwege, klare Prioritäten für wirksame Verkehrssicherheit und politische Entscheidungen, die Leben schützen statt Parkplätze.
Die Rad-Gedenkfahrt startet am Samstag, 31.01., um 11 Uhr, vor der SPD-Zentrale in der Kurt-Schumacher-Allee 10. Auf einer neun Kilometer langen Route führt sie die Teilnehmenden zu Einrichtungen und an Orte, die eine Rolle für das aggressive Verkehrsklima in Hamburg spielen, darunter der Sitz des Axel-Springer-Verlags in Hamburg, die Innenbehörde und das Ghostbike in der Straße An der Verbindungsbahn, das an die Schauspielerin Wanda Perdelwitz erinnert, die dort im September 2025 starb. Schlusspunkt der Gedenkfahrt bildet eine Schweigeminute vor dem Oberlandesgericht am Sievekingplatz 2. Gedenkfahrten finden parallel in ganz Deutschland statt. „Unsere Demo ist eine Anklage an die verantwortlichen Politiker\*innen und Behörden: Warum macht ihr Autopolitik statt gerechte Verkehrspolitik? Und sie ist ein Gedenken an Menschen, die heute nicht mehr hier stehen können. Für Natenom. Für die 11 Toten des letzten Jahres. Und für uns selbst, weil wir uns auch morgen noch sicher durch die Stadt bewegen wollen.“
Details zur Demo
Start der Demo: Samstag, 31.01.2026, 10:45 Uhr, Kurt-Schumacher-Allee 10, 20097 Hamburg
Abfahrt um 11 Uhr, ca. neun Kilometer lange Gedenkfahrt zum Oberlandesgericht am Sievekingplatz, Abschluss etwa um 12:30 Uhr mit einer Schweigeminute
Natenom
Andreas Mandalka, in den sozialen Netzwerken als „Natenom“ bekannt, kam am Abend des 30. Januar 2024 bei einem Verkehrsunfall auf der Landesstraße L 574 bei Neuhausen ums Leben. Ein 77-Jähriger hatte bei Dunkelheit und Nässe mit seinem Auto den radfahrenden Andreas, der zum Unfallzeitpunkt mit StVO konformer Beleuchtung fuhr, Helm und Warnweste trug, von hinten mit 70/80 km/h umgefahren. Andreas starb noch am Unfallort. Andreas wurde 43 Jahre alt. Sein Tod führte zu bundesweiten Protesten und Demos von Radfahrenden, die ein Ende des Tötens auf deutschen Straßen fordern.
Arbeistkreis Ghostbike
Ziel des Arbeitskreises Ghostbike im ADFC Hamburg ist das Erreichen der „VisionZero“, also keine schwer verletzten oder getöteten Menschen im Straßenverkehr.
- Wir stehen an der Seite aller Radverkehrsopfer
- Wir schaffen Bewusstsein für die besondere Verletzlichkeit ungeschützter Verkehrsteilnehmender
- Wir organisieren mit Mahnwachen ein würdevolles Gedenken
- Wir schenken gemeinsames Innehalten
- Wir stellen und pflegen Ghostbikes als Orte der Erinnerung und Mahnung
- Wir mahnen alle Verkehrsteilnehmenden, stets gut aufeinander aufzupassen und gegenseitige Rücksicht zu nehmen
- Wir wünschen uns Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden, besonders aber für ungeschützte
- Wir freuen uns über deine Unterstützung, gerne als ehrenamtlich Aktiver, auch als Sach- oder Geldspende
