
In Gedenken © Cajus Pruin
ADFC wirft Senat und Polizei Versagen in Sachen Verkehrssicherheit vor
Am frühen Donnerstagmorgen überfuhr ein Lkw-Fahrer in Hamburg-Moorfleet einen Radfahrer. Der Fahrradclub gedenkt dem Opfer am Sonntag, 8.3., 14 Uhr, mit einer Mahnwache und einem Ghostbike.
„Wir sind zutiefst geschockt und traurig, dass schon wieder ein Radfahrer in Hamburg von einem Lkw-Fahrer getötet wurde“, sagt Thomas Lütke vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Hamburg. „Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei den Angehörigen und Freund*innen des Opfers.“
So zynisch es klingt, war es aber nur eine Frage der Zeit, bis so etwas wieder passiert. In der Politik und bei der Polizei ist einfach kein Umdenken hin zu einer Verkehrssicherheitsarbeit zu erkennen, die im Sinne der Vision Zero für null Tote und Schwerverletzte im Straßenverkehr sorgen würde. Nach wie vor gibt es in Hamburg fast nirgends fehlerverzeihende, sichere Infrastruktur, die verhindern hilft, dass ungeschützte Verkehrsteilnehmer*innen durch Lkw-Fahrende getötet werden.
An der aktuellen Unfallstelle in der Amandus-Stubbe-Straße lässt sich dieses Behördenversagen mit seinen für Radfahrende und Fußgänger*innen gefährlichen und viel zu oft tödlichen Versäumnissen klar erkennen. Die Radverkehrsinfrastruktur dort ist wie an so vielen Stellen in Hamburg komplett vernachlässigt: Die Markierung der Furt ist gar nicht mehr erkennbar – es gibt nicht einmal eine Haltelinie zur Fahrbahn, eine Rotmarkierung wurde nie durchgeführt. Und das an einem Ort mit hohem Schwerlastverkehrsaufkommen und prinzipbedingt bereits gefährlichem Zweirichtungsradweg. Laut den geltenden Regelwerken muss ein Zweirichtungsradweg an solchen Stellen auch als Überfahrt mit sich abhebendem Belag gebaut sein. Außerdem fehlen an der Ausfahrt warnende Verkehrszeichen wie VZ 138 („Vorsicht, Radfahrende!“) und der korrekt beschilderte Hinweis auf den Zweirichtungsradweg. All das könnte helfen, die Gefahr solcher Unfälle zu reduzieren und Menschenleben zu schützen.
Lütke: „Die Verantwortlichen handeln erst, wenn es zu spät ist und ein Mensch getötet oder schwer verletzt wurde, wie bei den Unfällen im Berner Heerweg, im Heidenkampsweg oder in der Überseeallee. Und das, obwohl den Behörden Hunderte Hinweise von Bürger*innen zu solchen Sicherheitsdefiziten auf Hamburgs Straßen vorliegen. Statt zu handeln und die Gefahrenlage zu beseitigen, zählt die Politik lieber Parkplätze und rät die Polizei Radfahrenden zu persönlicher Schutzausrüstung. So sieht das Gegenteil von echter, präventiver Verkehrssicherheitsarbeit aus.“
Der Fahrradclub ruft zu einer stillen Mahnwache für den getöteten Radfahrer am Sonntag, 8. März, 14 Uhr, an der Unglücksstelle Amandus-Stubbe-Straße 10, 22113 Hamburg, auf. Dabei wird ein weißes Ghostbike zum Gedenken an das Opfer aufgestellt. (Veranstaltungsdetails)
Arbeitskreis Ghostbike
Ziel des Arbeitskreises Ghostbike im ADFC Hamburg ist das Erreichen der „VisionZero“, also keine schwer verletzten oder getöteten Menschen im Straßenverkehr. - Wir stehen an der Seite aller Radverkehrsopfer - Wir schaffen Bewusstsein für die besondere Verletzlichkeit ungeschützter Verkehrsteilnehmender - Wir organisieren mit Mahnwachen ein würdevolles Gedenken - Wir schenken gemeinsames Innehalten - Wir stellen und pflegen Ghostbikes als Orte der Erinnerung und Mahnung - Wir mahnen alle Verkehrsteilnehmenden, stets gut aufeinander aufzupassen und gegenseitige Rücksicht zu nehmen - Wir wünschen uns Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden, besonders aber für ungeschützte - Wir freuen uns über deine Unterstützung, gerne als ehrenamtlich Aktiver, auch als Sach- oder Geldspende
