
In Gedenken © Cajus Pruin
Peter Tschentscher und Andy Grote – was muss noch passieren?
Fahrradclub ruft für Sonntag, den 26.4., 17 Uhr, zur Mahnwache für den Radfahrer auf, der am 17.4. in Hamburg-Billbrook von einem Lkw-Fahrer überfahren wurde – nur zwei Tage, nachdem in Hamburg-Wilstorf ein 11-jähriger Radfahrer getötet wurde.
Innerhalb von nur zwei Tagen haben in Hamburg zwei Radfahrer durch die Rücksichtslosigkeit von Lkw-Fahrenden ihr Leben verloren: erst der 11-jährige Simon am 15. April in Hamburg-Wilstorf und am 17. April ein 52-jähriger Radfahrer in Hamburg-Billbrook. „Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei der Familie und den Freund*innen der Opfer“, sagt Leo Strohm vom Vorstand des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Hamburg.
Der Fahrradclub fordert die Menschen in Hamburg auf, die tödlichen Gefahren durch den massiven Lkw- und Pkw-Verkehr in der Stadt nicht länger als schicksalhaft hinzunehmen. Die Gleichgültigkeit des Senats angesichts des Tötens auf Hamburgs Straßen sei skandalös: „Elf getötete und mehrere hundert schwer verletzte Radfahrer*innen pro Jahr – und was macht der Senat? Er zählt Kfz-Parkplätze”, so Strohm. „Der Schutz von Menschenleben muss endlich höchste Priorität in der Verkehrspolitik erhalten!”
Das Versprechen des Senats unter Führung von Peter Tschentscher (SPD), für die Sicherheit der Menschen auf Hamburgs Straßen zu sorgen, sei ein reines Lippenbekenntnis. Sehr viel entschlossener präsentiere sich der Bürgermeister, wenn es um die „Rettung“ von Kfz-Stellplätzen gehe. „Während im Koalitionsvertrag vollmundig von der Fahrradstadt Hamburg die Rede ist, werden mit dem Parkplatzmoratorium wichtige Maßnahmen für die Sicherheit des Radverkehrs gestrichen. Sind Kfz-Stellplätze tatsächlich wichtiger als der Schutz von Menschenleben?“, fragt Strohm. Es seien in Hamburg keine Pläne erkennbar, im Sinne der Vision Zero für null Tote und keine Schwerverletzten im Straßenverkehr zu sorgen. „Nach wie vor gibt es in Hamburg fast nirgendwo eine fehlerverzeihende, sichere Infrastruktur, die verhindern hilft, dass ungeschützte Verkehrsteilnehmer*innen durch Lkw-Fahrende getötet werden.“ Ganz konkret wird dieses Versagen des Senats in Sachen Verkehrssicherheit an der Unglückstelle in der Liebigstraße mit ihrer vernachlässigten Radinfrastruktur. So sind dort die früheren Markierungen der Radwegfurt inzwischen nicht mehr sichtbar.
Zum Schutz von Radfahrenden und Fußgänger*innen in Hamburg fordert der Fahrradclub sichere Rad- und Gehwege sowie mehr Tempolimits, dazu mehr regelhaft und konsequent durchgeführte Geschwindigskeitskontrollen von Lkw-Fahrenden bei Abbiegevorgängen, obligatorische Abbiege- und Notbremsassistenten oder alternativ die Einführung einer Beifahrer*innenpflicht. Lkw-Fahrende ohne Assistenzsysteme oder Beifahrer*in sollen in Hamburg nicht mehr fahren dürfen. „Hamburg braucht dringend einen Masterplan Vision Zero“, so Strohm. „Wir fordern den Senat auf, einen runden Tisch mit allen Beteiligten einzuberufen, der ein Sofortprogramm zum Schutz der Verkehrsteilnehmer*innen erarbeitet.“
Der Fahrradclub ruft zu einer Mahnwache für den getöteten Radfahrer am Sonntag, 26. April, 17 Uhr, an der Unglücksstelle Liebigstraße 71, 22113 Hamburg, auf. Dabei wird ein weißes Ghostbike zum Gedenken an das Opfer aufgestellt.
Der Fahrradclub fordert Bürgermeister Tschentscher und Innensenator Andy Grote (beide SPD) erneut auf, am kommenden Sonntag an der Mahnwache teilzunehmen. Strohm: „Anteilnahme zu zeigen und der Familie des Opfers sein Beileid persönlich zu übermitteln, schafft natürlich noch keine sicheren Radwege. Aber es würde den Angehörigen des Radfahrers und auch allen ungeschützten Verkehrsteilnehmer*innen signalisieren: Ihr seid uns nicht völlig gleichgültig! Wir setzen uns ab jetzt dafür ein, dass so etwas nie wieder passieren kann.“
Arbeitskreis Ghostbike
Ziel des Arbeitskreises Ghostbike im ADFC Hamburg ist das Erreichen der „VisionZero“, also keine schwer verletzten oder getöteten Menschen im Straßenverkehr. Wir stehen an der Seite aller Radverkehrsopfer - Wir schaffen Bewusstsein für die besondere Verletzlichkeit ungeschützter Verkehrsteilnehmender - Wir organisieren mit Mahnwachen ein würdevolles Gedenken - Wir schenken gemeinsames Innehalten - Wir stellen und pflegen Ghostbikes als Orte der Erinnerung und Mahnung - Wir mahnen alle Verkehrsteilnehmenden, stets gut aufeinander aufzupassen und gegenseitige Rücksicht zu nehmen - Wir wünschen uns Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden, besonders aber für ungeschützte - Wir freuen uns über deine Unterstützung, gerne als ehrenamtlich Aktiver, auch als Sach- oder Geldspende
