Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Landesverband Hamburg e. V.

Autos parken dort, wo Fahrradwege gebaut werden sollten.

In der westlichen Osterbekstraße müssen Radfahrer*innen weiterhin zwischen Kopfsteinpflaster und bei Regen matschigem Weg wählen. © Andrea Kupke

Masterplan Parken bremst Mobilitätswende

Der Hamburger Senat hat sich einen im Koalitionsvertrag verankerten Masterplan Parken auf die Fahnen geschrieben. Um den Abbau von Parkständen zu stoppen, wirkt dazu aktuell ein Parkplatzmoratorium.

Was bedeutet das?

Um den Besitz von privaten Kraftfahrzeugen (Kfz) weiterhin durch kostenlose Stellplätze im öffentlichen Raum zu fördern oder zumindest zu unterstützen, kommen alle Planvorhaben zu Straßenumbauten inklusive aller bereits zu Ende geplanter Maßnahmen auf den Prüfstand. Die Pläne werden direkt über die Senatskanzlei abgestimmt, und dort wird auch entschieden, ob einzelne Maßnahmen weiter verfolgt werden oder nicht. Sollten dabei Parkstände entfallen, so kann die eine oder andere Maßnahme durchaus gestoppt werden. Stopp bedeutet hier meist, dass die Maßnahme „bis zum Abschluss des Masterplans Parken“ zurückgestellt wird. Mit zur Zeit offenem Ausgang.

Dieses Verfahren behindert natürlich ganz direkt eine Umverteilung des öffentlichen Raums zugunsten des Umweltverbundes. Dem ruhenden Verkehr wird mehr Bedeutung beigemessen als den Umbauten zugunsten von Fuß- und Radverkehr, die die dringend notwendige Mobilitätswende voran bringen würden. Abgestellte Kfz dürfen weiterhin Gehwege nutzen und sorgen direkt dafür, dass Radverkehrsprojekte nicht umgesetzt werden.

Dass bei laufenden oder besonders bei beendeten Planverfahren teilweise bereits hohe Kosten entstanden sind, steht noch auf einem ganz anderen Blatt.

Beispiel Poppenhusenstraße

In Hamburg-Nord wurde der Umbau der Poppenhusenstraße gestoppt. Die kleine Nebenstraße ist unbedeutend für den Kfz-Verkehr, aber umso bedeutender fürs Rad. An dieser Straße direkt am Bahnhof Barmbek liegt neben Bücherhalle und Volkshochschule auch das Ortsamt (Hamburg Service) Barmbek-Uhlenhorst. Die Poppenhusenstraße bindet den Bahnhof an das Wohngebiet jenseits des Osterbekkanals an und ist eine der wenigen Einbahnstraßen, die noch nicht für Radverkehr in Gegenrichtung freigegeben sind. Der ADFC fordert diese Freigabe schon sehr lange, und seit 2018 unterstützt auch die örtliche Politik diese Forderung ausdrücklich.

Nachdem nun das Südende der Straße endlich an einen neuen Kreisverkehr angeschlossen wurde, sollte hier ein entsprechender Umbau erfolgen und die Straße, Teil der Radroute 5, endlich in Gegenrichtung befahrbar werden. Beim Umbau würde die Zahl der Stellplätze von 58 auf 29, also auf die Hälfte, reduziert. Deswegen wurde diese Maßnahme nun kurz vor der Ausführung auf Eis gelegt. Auch Fahrradbügel wird man dort vorerst vergeblich suchen.

 

Beispiel Osterbekstraße

Die Osterbekstraße südlich des Osterbekkanals stellt bereits jetzt eine viel genutzte und teilweise autofreie Verbindung für Radfahrende aus Barmbek-Nord Richtung Alster und Innenstadt dar. 

Zwischen Schleidenstraße und Bachstraße liegt dort Kopfsteinpflaster, aber für den Fuß- und Radverkehr gibt es, bis auf den östlichen Abschnitt (Schleidenstraße bis Alstercity), Wege neben der Fahrbahn. Diese Wege haben eine wassergebundene Decke, sind also nach Regenfällen eher matschig. Trotzdem scheint die Verbindung für den Radverkehr absolut attraktiv zu sein. Die beiden äußeren Abschnitte, die auch für den Autoverkehr nutzbar sind, sollten nun zunächst in Fahrradstraßen umgebaut werden. Erst danach sollte eine Überplanung des mittleren autofreien Bereiches folgen. Auch bei dieser Maßnahme wäre der Verlust von Parkständen unvermeidbar, wie die bereits erfolgte Detailplanung zeigt. Daher werden auch diese Pläne bis auf Weiteres nicht realisiert. Die Verbindung steht schon lange auf der Wunschliste des ADFC, da die Alternativen über Jarrestraße oder Weidestraße vielen Radfahrenden kein hohes Sicherheitsgefühl geben. In beiden Straßen werden zudem Forderungen nach Tempo 30 durch die Straßenverkehrsbehörde abgelehnt.

Gute Ideen werden im Keim erstickt

Eine Anfrage der Partei Volt im Bezirk hat ergeben, dass in Hamburg-Nord drei weitere Planungen betroffen sind, und zwar die Kreuzung Abendrothsweg/Neumünstersche Straße, die Instandsetzung des Gehwegs in der Oberschlesischen Straße und eine Umgestaltung der Dreiecksfläche Gleisbogen (Hufnerstraße/Rübenkamp).

Dazu kommt, dass zum Beispiel in Regionalausschüssen immer wieder gute Ideen aus Anfragen, Eingaben und Anträgen mit Hinweis auf das Moratorium im Keim erstickt werden.

Und in Altona?

Die Friedensallee in Hamburg-Altona soll Teil der Bezirksradrouten werden. Wichtig für den Radverkehr ist die Friedensallee wegen der Anbindung an die S-Bahnstation Bahrenfeld, die Nähe zur Radroute 1, als Schulweg zu einer Grundschule, als Anbindung an bereits umgebaute Straßen und als Verbindungsstrecke innerhalb des Stadtteils. Bereits im Jahr 2013 gab es Pläne, einen Teilabschnitt der Friedensallee von etwa 900 Metern Länge zwischen Von-Sauer-Straße und Friesenweg umzubauen. Dabei wurde in den Planungsunterlagen auf den desolaten Zustand der gesamten Straße hingewiesen. Die Planungen wurden 2018 und 2025 an aktuelle Regelwerke angepasst. Realisiert wird jetzt lediglich ein erster, circa 400 Meter langer Teilabschnitt zwischen Friesenweg bis kurz vor die Händelstraße, auf dem kein ruhender Verkehr betroffen ist. Der zweite Teilabschnitt zwischen Händelstraße und Von-Sauer-Straße wird trotz des mangelhaften Zustandes vorerst nicht umgebaut, sondern einer Überprüfung hinsichtlich des Parkplatzmoratoriums unterworfen. Das nächste Bauzeitfenster für den Bereich gibt es laut Planungsunterlagen vermutlich erst wieder im Jahr 2031. Bis dahin wird der mangelhafte Zustand mit hohem Aufwand immer und immer wieder geflickt.

Andrea Kupke, Karin Wiedey

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Dieser Artikel stammt aus der RadCity, dem Mitgliedermagazin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Hamburg.

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