Bürgerschaftswahl 2020 - sieben Forderungen

Von: Arbeitskreis Verkehr

Fahrradstadt machen!

ADFC Frankfurt am Main

Am 23. Februar 2020 wählt Hamburg eine neue Bürgerschaft. Wir heizen der Politik schon jetzt kräftig mit unseren For­derun­gen ein, damit alle Menschen in Hamburg sicher und entspannt Rad fahren können.

#VerkehrswendeJetzt

Illustration: Michael Prahl

Vorfahrt fürs Klima

Der Klimaschutz erlaubt kein Zögern, je länger wir mit der Umset­zung einer klimafreundlichen Mobilität warten, um so geringer wird das verbleibende CO2-Kontingent. Für uns ist klar: die vor­rangige Förderung des Radverkehrs ist der schnellste und kosten­günstigste Weg zu einer klimafreundlichen Mobilität. Die Stadt muss bis 2022 unter Beteiligung der Bevölkerung, Verbände und Parteien eine Verkehrsentwicklungsplanung anschieben, die den Verkehrssektor in Hamburg bis zum Jahr 2035 CO2-neutral macht. Bei der Mobilitätswende geht es aber nicht allein um Klimaschutz. Immer noch sterben Menschen im Stra­ßen­verkehr oder werden schwer verletzt. Lärm, schädliche Abgase und Feinstaub schaden Mensch und Umwelt und der Wunsch, eine lebenswertere Stadt zu gestalten, ist ein Gebot der Vernunft. Nur die Antriebe zu elektri­fizieren oder Fahrzeuge automatisch zu steuern löst die Probleme nicht. Fahrzeuge müssen kleiner und effizienter genutzt werden, sowohl bei der Personen­förderung als auch in der Logistik, wo Cargo-Bikes schon heute zeigen, wie es geht. Wir brauchen die Verkehrswende. Jetzt!

#MehrGeldFürsRad

Montage adfc hh, Hintergrundbild pixabay

Mindestens 100 Millionen Euro
pro Jahr für den Radverkehr!

Hamburg braucht das Fahrrad. Und jeder investierte Cent zahlt sich mehrfach für die Stadt aus: durch bessere Umwelt und Gesund­heit, durch mehr Sicherheit im Verkehr, durch weniger Verschleiß von Fahrbahnen, durch Entlastung von Bussen und Bahnen, und durch höhere Lebensqualität. Wir fordern mindestens 100 Millionen Euro pro Jahr. Dauerhaft. Dazu kommen Fördermittel vom Bund und der EU! Rad- und Fußverkehr muss in der Ver­kehrs­planung vorrangig gedacht werden. Dazu brauchen wir in allen Bezirken, Landesbetrieben, der Polizei und den Behörden mehr Personal, das dies koordiniert und ein hohes Maß an Qualität sicherstellt. Die aus dem Bündnis für Radverkehr heraus ent­standenen Strukturen sind weiter auszubauen

#MehrPlatzFürsRad

Ein breiter, geschützter Radfahrstreifen in Berlin ADFC Nienburg

Eine Spur fürs Fahrrad auf Hauptstraßen!

Radverkehr braucht Platz – dafür müssen auch Entscheidungen getroffen werden, die den motorisierten Individualverkehr ein­schränken. Fahrradstraßen, Tempo 30 oder großzügige Rad­fahr­streifen auf der Fahrbahn müssen zur Regel werden, wo nötig auch mit Trennelementen zu Kraftfahrzeugspuren. Hoch­bord­­rad­wege dürfen nur gut begründete Ausnahmen sein. Straßen­beglei­tende gemeinsame Geh- und Radwege lehnen wir ab: Auch der Fuß­verkehr braucht sicheren und exklusiven Raum. Straßen­bäume sollten möglichst geschont werden. Den nötigen Platz für diese Maßnahmen muss der Autoverkehr abgeben: Eine Spur fürs Rad!

#RadnetzAusbau

adfc hh/Ulf Dietze

100 Kilometer neue Radwege pro Jahr, Radschnellwege bis ins Zentrum

Wir fordern die umgehende Fertigstellung des Veloroutennetzes mit hohen Standards und den Bau sowie die Weiterführung der derzeit geplanten Radschnellwege ins Zentrum Hamburgs bis 2025. Wo diese an bestehende Velorouten anknüpfen, sollen die Quali­täts­standards der Radschnellwege auf den Velorouten weiter­geführt werden: Möglichst kreuzungsfrei und mit eigen­ständigen Trassen. Auch an allen Hauptverkehrsstraßen müssen groß­zügige Radverkehrsanlagen eingerichtet werden: Wo Auto­verkehr in großen Men­gen oder mit mehr als 30 km/h unterwegs ist, sind breite, geschützte Radverkehrsanlagen zwingend erfor­derlich, um siche­res und entspanntes Radfahren zu ermöglichen.

#QuartiereFürMenschen

ADFC-Hamburg/Samina Mir

Kein Kfz-Durchgangsverkehr
in Wohnvierteln!

Die Stadt gehört den Menschen, nicht den Autos! Unsere Wohn­quartiere sollen zu Räu­men, in denen sich jeder frei und sicher bewegen kann, gestaltet werden. Kein Kfz-Durchgangsverkehr in Wohn­quartieren und Tempo 30 oder geringere Geschwindigkeiten stellen die Basis dafür sicher. Hinzu kommen autofreie Quar­tierszentren nach dem Vorbild der Pilotprojekte in Ottensen und der Altstadt, viele Spiel- und Fahrradstraßen sowie der Abbau von Kfz-Parkplätzen. Dies erreichen wir mit Maßnahmen wie Ein­bahnstraßen, Diagonal­sperren, Abbinden der Neben- von Haupt­straßen, und Kreuzungen, die von parkenden Fahr­­zeugen frei bleiben. Für Planungen aus einer Hand werden die unteren Straßen­verkehrs­behörden in den Bezirksämtern angesiedelt, nicht wie bisher bei Polizei und Innenbehörde. Bei der politisch gewollten Neuaufteilung des Straßenverkehrsraums hat die Polizei ausschließlich beratende Funktion.

#BesserRadParken

Volles Fahrradparkhaus Gemeinfrei

Parkhaus für mindestens 5000 Fahrräder
am Haupt­bahnhof

Radfahrer*innen benötigen diebstahlsichere und wetter­geschützte Abstellanlagen. Die Stadt muss an allen öffentlichen und städtisch genutzten Gebäuden mit Publikumsverkehr großzügiges und sicheres Fahrradparken ermöglichen. Dies betrifft zum Beispiel sämtliche Bücherhallen, Kitas, Behörden, Bezirksämter. Wir brau­chen außerdem ein Förderprogramm zum Bau von hoch­wer­tigen Abstellanlagen in Wohnquartieren und am Arbeits­platz, auf privaten und öffentlichen Grund. Der Ausbau der Schnellbahn-Haltestellen mit Rad-Abstellanlagen muss fort­geführt und beschleunigt werden. Und wir fordern ein Fahrrad­parkhaus am Hamburger Haupt­bahnhof mit Platz für mindestens 5000 Räder sowie ent­spre­chende Anlagen an allen anderen Fernbahnhöfen.

#VisionZero

Sergey Novikov Adobestock

Sicherheit geht vor: Umbau von
Kreu­zungen, Kfz-Verkehr reduzieren,
Verkehrsklima verbessern

Oberste Priorität hat, dass alle heil ankommen: Null Getötete und Schwerverletzte im Straßenverkehr (Vision Zero). Flüssigkeit und Geschwindi­g­keit insbeson­dere des Motorverkehrs werden diesem Ziel untergeordnet. Die Stadt muss bessere Ver­kehrsanlagen bauen, sichere Kreu­zungen und Ampel­schal­tungen einrichten, Tempo­beschränkungen verhängen und durchsetzen. Ab 2025 dürfen nur noch Lkw mit Abbiege­assis­tenten in Hamburg fah­ren. Die Verkehrserziehung muss ver­stärkt wer­den: Auto- und LKW-Fahrende besser aus­bilden! Gefährliches Fehl­verhalten von Auto- und Lkw-Fahrenden wird stärker sanktio­niert, falsch parkende Autos werden konse­quent abge­schleppt. Die Fahrradstaffel der Polizei muss personell aufgestockt werden und das gesamte Stadt­gebiet regelmäßig kontrollieren.

Erschienen in RadCity 6/2019