Kirsten Pfaue

Kirsten Pfaue © Behörde für Verkehr und Mobilitätswende

Perspektivwechsel

 

Kirsten Pfaue war über zwanzig Jahre lang im ADFC Hamburg aktiv, bevor sie im Jahr 2015 die Seiten wechselte und Radverkehrskoordinatorin der Stadt Hamburg wurde.

 

Heute ist sie in der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende als Koordinatorin für die Mobilitätswende der Stadt Hamburg zuständig. Kirsten Pfaue hat unsere Fragen für die RadCity schriftlich beantwortet.

Warum bist du überhaupt im ADFC aktiv geworden? Und in welcher Funktion? 

Als Jugendliche bin ich in Hamburg von Handballhalle zu Handballhalle geradelt. Das Rad war für mich immer schon ein Mobilitätsgarant. Der eigentliche Anstoß, um mich im ADFC zu engagieren, kam allerdings über meine Leidenschaft für Radreisen. In meinen Schul- und Semesterferien habe ich zahlreiche Länder per Rad erkundet, erst mit einem Dreigangrad, Holland-Radtaschen und Trangia-Kocher, später wurden Technik und Equipment ausgefeilter. Während meines Jura-Studiums habe ich als Reiseleitung Radgruppen durch Frankreich geführt. Ich liebe es, ein Land mit allen Sinnen zu erfahren. Diese Leidenschaft führte dazu, dass ich im Jahr 1994 gemeinsam mit Jörg Wellendorf und Stephan Fieberitz die ADFC Radreisemesse im CCH initiiert und aufgebaut habe.

Später übernahmen dies dann Uwe und Heidrun Jahncke. In der Zeit von 2008 bis 2014 war ich erst zwei Jahre lang stellvertretende Vorsitzende und dann vier Jahre lang Landesvorsitzende des ADFC Hamburg. Mir war es damals wichtig, den Verein sichtbarer, erlebbarer zu machen, die Verkehrspolitik zu stärken und den Außenauftritt zu professionalisieren.

Insbesondere über Kampagnen wie „Ab auf die Straße“ oder „Willkommen im Club“, die ja bei den Aktiven-Wochenenden ins Leben gerufen worden sind, ist es uns damals gelungen, möglichst viele Menschen gezielt zu erreichen, im Verein und in ganz Hamburg. Wir haben damals auch mit Johanna Drescher die Geschäftsstelle neu aufgebaut, und ich habe verschiedene Projekte mit umgesetzt, wie beispielsweise den ersten Facebook-Auftritt oder den ersten Internet-Relaunch. Das waren schöne, abwechslungsreiche Zeiten.

Welche Themen haben dich damals besonders bewegt oder bewegen dich noch heute?

Ich erinnere noch ganz genau meinen ersten Impuls, mich für den Radverkehr einzusetzen. Das war im Jahr 1990 während einer Radreise, und ich wurde diesen einen Gedanken nicht mehr los: „Dafür  - also für das Reisen mit dem Fahrrad – muss man doch einfach ALLE begeistern. Das ist genial!“ Die Umwelt mit allen Sinnen zu erleben und immer wieder Neues zu entdecken, begeistert mich bis heute.

Meine Freude an der beim Radfahren zu spürenden Lebendigkeit spornt mich weiter an, wenn ich heute als Koordinatorin für die Mobilitätswende der Stadt Hamburg den Radverkehr insgesamt voranbringe. Radfahren ist Lebensqualität. Für mich ist es der Inbegriff von Freiheit und Unabhängigkeit. Die Förderung des Radverkehrs bringt Hamburg weniger Lärm, bessere Luft, weniger Staus und eine höhere Aufenthaltsqualität. 

 

"Ich finde, wir können und müssen mehr Rücksicht aufeinander nehmen. Das kann Hamburg besser!"

 

Wie würdest Du den ADFC zum Beginn deines Engagements beschreiben? Wie hat er sich im Vergleich zu früher entwickelt?

Wir waren damals eine kleine Gruppe engagierter, junger Menschen. Ich erinnere, dass wir an der einen und anderen Stelle im positiven Sinne etwas speziell waren, vielleicht auf sympathische etwas „nerdig“, auch ein bisschen unangepasst. Wir waren voller Aufbruchsstimmung und Idealismus, haben gebrannt für das Thema und haben Pionierarbeit geleistet. Das waren noch andere Zeiten. Den Globetrotter-Laden in Barmbek gab es zwar schon, aber in einem barackenähnlichen Pavillon. Erst im Lauf der Zeit erfolgte der Umbau zu dem großen Outdoor-Ausstatter. Eines von vielen Zeichen, wie das Thema mehr und mehr gewachsen ist.

Es machte mir nichts aus, dass mein ehrenamtliches Engagement unglaublich viel Zeit in Anspruch genommen hat. Ich erinnere mich, dass ich manchmal extra früh aufgestanden bin, um noch vor Beginn meiner Arbeit den ADFC Hamburg weiter voranzubringen. Ich habe das so gerne gemacht, mit all den Menschen, die ich sonst weder beim Studium oder später im Beruf getroffen hätte. Heute bin ich nur noch zahlendes Mitglied, verfolge aber die Vereinsarbeit und lese natürlich regelmäßig die RadCity. Die ADFC-Hamburg-Bühne gehört nun anderen Aktiven. Ein Engagement meinerseits würde auch nicht mehr mit meiner heutigen Funktion zusammenpassen. 

Kannst du mit drei Worten beschreiben, was den ADFC für Dich kennzeichnet? 

Für mich war und ist der ADFC Hamburg Treiber, Impulsgeber und ein guter Ort für Begegnungen rund um die Radverkehrsförderung in Hamburg. 

Wie empfindest du Radfahren in Hamburg damals/heute? Überwiegt der Spaß oder der Nerv? 

Ich bin stolz darauf zu sehen, wie sehr sich die Stadt im Bereich der Radverkehrsförderung entwickelt hat, und ich freue mich auch auf viele Maßnahmen, die sich in der Umsetzung befinden oder bald umgesetzt werden. Der positive Weg, den Hamburg eingeschlagen hat, ist deutlich  zu sehen und zu spüren. Hier heißt es: weiter so! Mich nervt allgemein aggressives Fahrverhalten gegenüber Menschen, die langsamer oder schwächer sind, von Auto- und Radfahrer*innen gleichermaßen. Ich finde, wir können und müssen mehr Rücksicht aufeinander nehmen. Das kann Hamburg besser!

Was sollte der ADFC deiner Meinung nach heute unbedingt machen oder auch lassen?

Ratschläge möchte ich dem ADFC Hamburg nicht geben, er sollte in jedem Fall weiter sichtbar für seine Positionen einstehen.

Was wünschst du dir für den ADFC?

Ich wünsche mir, dass er lebendig, inspirierend und impulsgebend bleibt. 

Braucht Hamburg den ADFC?

Ja, als Treiber, Impulsgeber und als guten Ort für Menschen, die sich für das Radfahren engagieren möchten.

Was ist dir aus deiner aktiven Zeit im ADFC besonders in Erinnerung geblieben?

Im Jahr 2014 hatte der damalige Bürgermeister Olaf Scholz den ADFC Hamburg eingeladen, in einem Gremium, bestehend aus zahlreichen Entscheidungsträger*innen der Stadt, zum Thema „Mobilität in Hamburg im Jahr 2030“ zu sprechen und dort unsere Vision für 2030 zu präsentieren. Das war eine große Anerkennung für den ADFC.

Diesen Vortrag habe ich damals mit Susanne Elfferding und Merja Spott vorbereitet und gehalten. Niemals zuvor hatte ich einen Vortrag intensiver vorbereitet. Es lief wirklich gut. Schon während meiner Tätigkeit als Radverkehrskoordinatorin in Hamburg ab 2015 und auch heute bei meiner jetzigen Tätigkeit als Koordinatorin für die Mobilitätswende in Hamburg denke ich gern daran zurück.

Ein anderes, besonders schönes und ungewöhnliches Erlebnis war im Jahr 2012, als der ADFC Hamburg gemeinsam mit dem Radreiseveranstalter „Die Landpartie“ mit der Goldenen Palme der Zeitschrift GeoSaison ausgezeichnet wurde. Ich durfte auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin (ITB) für den ADFC Hamburg den Preis in der Kategorie „Aktiv- und Genießerreisen“ für unsere gemeinsam veranstaltete Etappenreise von Hamburg nach St. Petersburg  entgegen nehmen. Das bleibt natürlich auch in Erinnerung.

Was ist für dich die wichtigste Errungenschaft des ADFC in Hamburg? 

Dass das Thema Radfahren in Hamburg nicht mehr aus der politischen Debatte wegzudenken ist. Dass dies so ist, liegt auch ganz entscheidend am facettenreichen, versierten und unermüdlichen Engagement der vielen Aktiven im ADFC Hamburg, davon bin ich absolut überzeugt. 

Radfahren ist …?

… für mich Freiheit und Unabhängigkeit.

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https://hamburg.adfc.de/artikel/perspektivwechsel

Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen

  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 190.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

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  • Wie erreiche ich den ADFC Hamburg?

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    Koppel 34-36
    20099 Hamburg

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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