Christian Scholz bei einer Gesprächsrunde zum 25. Jubiläum

Christian Scholz bei einer Gesprächsrunde zum 25. Jubiläum © ADFC Hamburg

Interview mit Christian Scholz

 

Christian Scholz ist ein ADFC-Urgestein der ersten Stunde. 1985 ist er im Alter von neunzehn Jahren in den ADFC eingetreten und direkt aktiv geworden.

 

Er ist vielen als Tourenleiter bekannt, ist Referent beim Fahrradreparaturseminar und langjähriges Mitglied der Bezirksgruppe Wandsbek. Außerdem war er an zahlreichen Aktionen wie zum Beispiel der Radreise-Messe aktiv beteiligt.

Hallo Christian, wann bist du in den ADFC eingetreten, und wann aktiv geworden?

Eingetreten bin ich 1985 im Spätsommer. Im Lauf einer Radtour fand ich eine Zeitschrift, in der war eine Postkarte drin, und da ich gerade auf meiner ersten großen Radreise war, fand ich das Thema spannend. Ich habe die Postkarte ausgefüllt und in den Briefkasten geschmissen. Nach dem Urlaub bin ich dann einfach mal Richtung Geschäftsstelle gefahren, um zu schauen, in was für einen Verein ich da  eingetreten bin. Und dann hat sich die Aktivität relativ schnell ergeben. Wir haben damals nämlich Techniktreffs am Freitagabend gehabt. Radtouren haben wir auch schon angeboten, die in der Regel von mehreren Tourenleitern gleitet wurden. Und wir haben ab circa 1986 ein Fahrradreparaturseminar nur für Frauen vor der Geschäftsstelle abgehalten. Wobei die Referenten ausschließlich Männer waren.

Warum bist du damals so schnell aktiv geworden?

Es ergab sich einfach so. Mein erster Besuch in der Geschäftsstelle ließ mich den damaligen Vorsitzenden des ADFC Nordmark treffen. Wir haben vier Stunden lang über Fahrräder und alles mögliche geklönt. Er war mir sympathisch, und damit war die Sache am Laufen.

Weißt du, wie viele Mitglieder und Aktive der ADFC in Hamburg bzw. Nordmark damals hatte?

Nordmark hatte, so viel ich weiß, 240 bis 280 Mitglieder. Das ging von Nordniedersachsen bis Flensburg hoch. Die Sitzungen waren zum Glück immer in Hamburg.

Wie würdest du den ADFC von damals beschreiben?

Ich war damals neunzehn Jahre alt, und für mich war das ein Verein alter Männer. Ich war mit Abstand der jüngste, abgesehen vom Sohn des damaligen Vorsitzenden, der ein bisschen mitmachte. Das waren alles Leute, die gefühlt dreimal so alt waren wie ich. Trotzdem fühlte ich mich in der Gesellschaft und mit dem Thema Fahrrad sehr wohl.

Das hat sich dann ja im Laufe der Jahre durchaus geändert.

Ja. Irgendwann wurde man selber älter. Es gab aber dann auch ein paar Leute im gleichen Alter, die eingestiegen sind oder einfach auftauchten.

Wenn wir etwas über den ADFC hinausgehen, wie war damals das Radfahren in Hamburg?

Man hatte sich arrangiert. Für mich war das Fahrrad, egal wie die Radwege waren, erst mal eine Offenbarung. Als ich aus der Schule kam, stellte ich fest, dass man mit diesem einfachen Verkehrsmittel, das keinen nennenswerten Kosten verursachte, eine enorme Reichweite hatte. Ich bin in die Stadt gefahren, durch die Stadt, und man hat sich gar nicht so sehr über die Infrastruktur Gedanken gemacht. Der ADFC machte das Thema Fahrrad präsent, wobei da noch viele andere Dinge mindestens so akut waren wie die Frage nach den Radwegen. Fahrradmitnahme in der Bahn war bei uns ein ganz großes Thema. Es gab einen Beisitzer im Vorstand, der sich nur mit der Bahn beschäftigt hat. Die Infrastruktur war zum Teil gar nicht vorhanden.

Ich bin als Fahrradreisender noch auf der Bundesstraße groß geworden. Für mich war es völlig normal, auf Überlandstraßen zu fahren, wo die Lastwagen mit hundert Stundenkilometern und einem Meter Abstand an mir vorbei donnerten. Das hat mich irgendwie gar nicht gestört. Dass dann später Radwege kamen, war eine Neuerung, und gesperrte Bundesstraßen, auf denen man gar nicht mehr Rad fahren durfte, fand ich sehr seltsam.

Wo bist du in der Zeit so hingefahren?

Hauptsächlich durch Deutschland und Mitteleuropa. Die erste große Reise ging ans Nordkap, das war damals in den einschlägigen Reisehandbüchern propagiert worden. Schottland kam dann als nächstes an die Reihe.

Wie empfindest du die Entwicklung in Hamburg beim Radverkehr bis heute?

Es ist im Wesentlichen natürlich Stück für Stück Verbesserung eingetreten, wobei die Zielsetzung sich geändert hat. Ich bin immer noch dem verhaftet, was ich damals wollte, nämlich das Fahrrad als gleichberechtigtes Verkehrsmittel auf den Straßen akzeptiert zu sehen. Der Trend, den wir jetzt haben und der zum Teil ja auch sehr angenehm ist, nämlich die Wegeführung eher zu separieren, ist nicht unbedingt das, was ich mir damals vorgestellt habe. Und auch heute bin ich nicht mit jeder Lösung glücklich. Ich wäre eigentlich glücklicher, wenn die Radfahrer*innen offensiver auf der Straße fahren würden, um sich dort ihren Platz zu nehmen. Das heißt nicht, dass sie Märtyrer werden sollen, aber sie sollten den Autofahrenden klar machen, dass sie da genauso hingehören wie sie selbst. Das ist eigentlich nach wie vor mein Ideal von Fahrradverkehr. Denn die Straßen sind vorhanden, sie sind gut und da muss häufig gar nicht mehr viel baulicher Aufwand getrieben werden. Nur die Akzeptanz muss steigen.

War der ADFC früher mehr Vereinsmeierei?

Früher war vieles improvisierter und nicht so formal geregelt. Das liegt natürlich auch an gewissen gesetzlichen Vorgaben, die wir als Verein zu erfüllen haben. Aber es war unkompliziert, irgendwelche Sachen anzuleiern, man musste nicht in Gesetzestexten lesen. Und andererseits war der Verein noch so klein, dass alles auf sehr informellem Wege ablief. Das Engagement war vielleicht noch ein anderes. Damals, und das vermisse ich ein wenig, gab es mehr Menschen unter den Aktiven, die bereit waren, sich für Aufgaben längerfristig zu verpflichten. Darunter leiden heute auch größere Projekte, die der ADFC in der Vergangenheit hatte, und die nicht mehr möglich sind. Die Radreisemesse zum Beispiel, bei der wir seit Jahren kein festes Organisationsteam mehr aufstellen können, weil sich kaum noch jemand ehrenamtlich über längere Zeit zu intensiver Arbeit verpflichten möchte.

Braucht Hamburg den ADFC?

Ja.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Dirk Pfaue

 

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    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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