Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Landesverband Hamburg e. V.

Kinder mit eine Schild für Schulstraßen

An der Grundschule Wesperloh forderten hunderte Kinder schon im Sommer 2024 eine Schulstraße. © ADFC Hamburg / Kay Brockmann

Schulstraßen für Hamburg

Schulstraßen machen den Weg zur Schule sicherer! Die autofreien Straßen geben Kindern Raum für Rad, Roller und zu Fuß – temporär oder dauerhaft. Im europäischen Ausland sind sie bereits etabliert. Hamburg startet nun erste Pilotprojekte.

Was ist eine Schulstraße?
Eine Schulstraßen ist eine Straße im Umfeld einer Schule, die ausschließlich für den Fuß-und Radverkehr geöffnet wird. Dies kann temporär oder dauerhaft erfolgen. Motorisierte Fahrzeuge haben dort Sperrzone. Dadurch entsteht ein Schutzraum, in dem Kinder sicher zu Fuß gehen, mit dem Rad oder Roller unterwegs sein können, ohne von Autos belästigt, behindert oder gefährdet zu werden. 
Auch vor dem Hintergrund, dass immer mehr Schulen ein Problem mit Eltern haben, die ihr Kind mit dem Auto bis vor den Schuleingang fahren, sind Schulstraßen ein sehr effektives Mittel, um die Schulumgebung sicherer zu machen. Im europäischen Ausland sind Schulstraßen bereits weit verbreitet und etabliert. In Deutschland werden sie erst seit 2024 schrittweise eingeführt.

Temporäre Schulstraßen
 

Die sogenannten temporären Schulstraßen nach Wiener Modell setzen ein Durchfahrtsverbot für Autos durch, oft nur für jeweils eine halbe Stunde zu Schulbeginn und Schulschluss. Zusätzlich sorgen physische Barrieren wie ausziehbare Schranken (Scherengitter) für zusätzliche Sicherheit. Erste Evaluationen zeigen: Diese Maßnahmen erhöhen die Sicherheit für die Kinder und führen dazu, dass mehr Schüleri*innen zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule kommen.
In Deutschland gibt es inzwischen die ersten temporären Schulstraßen: Vor vier Kölner Grundschulen gibt es seit dem 31. Oktober 2024 keine Autos mehr. Maßgeblich war es das Aktionsbündnis „Kinder aufs Rad“, das die Einrichtung dieser Schulstraßen vorangetrieben hat. „Kinder aufs Rad“ ist ein breites Bündnis aus Organisationen und Initiativen, die sich für eine kinderfreundliche Mobilität einsetzen. Als ADFC sind wir Teil dieses Bündnisses.

Permanente Schulstraßen
 

Der „ Goldstandard“ für mehr Schulwegsicherheit ist die permanente Schulstraße.  Das sind Straßenabschnitte vor Schulen, in denen grundsätzlich kein KFZ-Verkehr mehr erlaubt ist. Der durch den Wegfall von parkenden und fahrenden Autos gewonnene Platz ermöglicht vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten, zum Beispiel Begrünung, Sitzgelegenheiten und Spielgeräte. Solche verkehrsberuhigten Straßen werten die Schulumgebung auf, schaffen neue Begegnungsräume für Jung und Alt und bereichern damit die gesamte Nachbarschaft. Sie leisten außerdem einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.
In Paris kann man bereits zahlreiche dieser aufgewerteten Straßen  erleben. Dort wurden seit 2018 über dreihundert Schulstraßen eingerichtet.

Schulstraßen in Hamburg
Der ADFC Hamburg setzt sich bereits seit Anfang 2024 aktiv für Schulstraßen in Hamburg ein, mit Aktionen, Presse-und Lobbyarbeit, sowie Informationsveranstaltungen und Hilfe bei der Vernetzung. Auch bieten wir Unterstützung für interessierte Schulen, die Schulstraßen einrichten wollen.  Politische Beschlüsse zur Einrichtung von Schulstraßen gibt es unter anderem an der Grundschule Wesperloh (Altona) und im Schulcluster Ahrensburger Weg (Wandsbek). Allerdings gilt es noch einige verwaltungstechnische Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Denn aktuell bestehen in Hamburg seitens der Verwaltung einige Rechtsunsicherheiten in der Umsetzung von Schulstraßen, auch wenn deren Einrichtung rechtlich grundsätzlich möglich ist. In diesem Zusammenhang wird ebenfalls die  Einrichtung von Bring-und Abholzonen oder Elternhaltestellen geprüft.

Schulstraße Rellingerstraße

In 2026 wird vor der Grundschule Rellinger Straße (Bezirk Eimsbüttel) eine permanente Schulstraße eingerichtet werden: Ein 60 Meter langer Straßenabschnitt vor der Schule wird für den KFZ-Verkehr gesperrt. Der gewonnene Raum wird für den Fuß-und Radverkehr attraktiv umgestaltet und begrünt. Die Entwicklung beruht auf einem politischen Beschluss von 2021, anknüpfend auf Ideen aus der Initiative Superbüttel.
Auch Schüler*innen und Eltern wurden beteiligt. Ursprünglich sollte die Umgestaltung schon im Sommer 2025 beginnen. Aufgrund des Hamburger Moratoriums für Parkplätze wurde jedoch die Umsetzung kurzfristig gestoppt und die fertige Planung für einen Zeitraum von drei Monaten erneut überprüft, was die Umbaumaßnahmen verzögerte.

Politischer Beschluss für Schulstraßen und Sichere Schulwege
Im August 2024 haben sich die Hamburger SPD und Grüne für mehr Schulwegsicherheit eingesetzt. Sie beantragten:

  • Die Schulwegsicherheit bei anlassbezogenen Ortsterminen zu prüfen.
  • Problemstellen zu identifizieren und zu beseitigen.
  • Die Möglichkeit der Einrichtung von Schulstraßen an einzelnen Standorten zu prüfen.
  • Rechtliche Hürden für Schulstraßen zu beseitigen.

Als Konsequenz dieser Forderungen werden an mehren Hamburger Schulstandorten Schulstraßen als Pilotprojekte eingerichtet. Nach einer Evaluation ist die Einrichtung weiterer Schulstraßen geplant. Auch wird gerade ein Behördenleitfaden entwickelt, der die Einrichtung von Schulstraßen vereinfachen soll. Rechtlich ist dies bereits in ganz Deutschland möglich, allerdings werden in den einzelnen Bundesländern eigene Anpassungen vorgenommen. Die Weichen zur Schulstraße sind somit in Hamburg gestellt.

Beratung und Unterstützung
Du willst dich für eine Schulstraße einsetzen und brauchst Unterstützung? Als Schule lohnt es sich frühzeitig in die Initiative zu gehen, um eine Schulstraße zu erreichen und beim Bezirk Interesse zu äußern. Wir beraten dich gerne zu Zuständigkeiten, Planungsschritten und möglichen Aktionen: Kontakt: schule@hamburg.adfc.de

Links zu den oben genannten Projekten und weiterführende Informationen im blauen Kasten.

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