Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Landesverband Hamburg e. V.

Die neue Hohenfelder Brücke ist ein gelungenes Beispiel für fahrradfreundliche Infrastruktur.

Die neue Hohenfelder Brücke ist ein gelungenes Beispiel für fahrradfreundliche Infrastruktur. © René Pönitz

Weggerampt - Höhen und Tiefen beim Umbau der Hohenfelder Bucht

Der Umbau der Hohenfelder Bucht ist abgeschlossen – endlich. Nach jahrelangen Umleitungen, Sperrungen und gefährlichen Baustellensituationen kann sich das Ergebnis durchaus sehen lassen – auch für den Radverkehr.

Lob … 

Vor allem entlang der Alster lässt es sich nun wesentlich besser und entspannter radeln, nicht zuletzt durch die neue Brücke über die Hohenfelder Bucht. Auch die Entflechtung zwischen Fuß- und Radverkehr erleichtert hier das zügige Vorankommen auf zwei Rädern. Unter der Brücke ist es geräumiger geworden, sodass auch hier Konflikte mit dem Fußverkehr geringer ausfallen dürften als zuvor. Die enge Unterführung unter der Sechslingspforte ist offener und heller als die alte, und unterhalb der Barcastraße kann man auf den neuen Treppenstufen verweilen und das Rauschen des Verkehrs genießen.

… und Tadel

Leider ist nicht alles gut.Beispielsweise verlaufen in der Barcastraße nur 1,50 Meter breite Schutzstreifen zwischen geparkten Autos und dem Busverkehr. Eine Ampel vom Mundsburger Damm in die Buchtstraße für den Radverkehr ist zwar hilfreich für Fahrten in Richtung Lange Reihe/Hauptbahnhof – an den Wartezeiten spürt man jedoch die geringe Priorität des Radverkehrs.

Die größte Schwachstelle betrifft alle, die von der Sechslingspforte kommen und in Richtung Zentrum oder direkt zum Ufer der Alster fahren wollen. Denn hier steht man vor einem Rätsel: Es gibt keinen Linksabbieger, der Radweg führt zwingend nach rechts auf Schwanenwik in Richtung Mundsburger Brücke. Für StVO-konformes Linksabbiegen müsste man an dieser Stelle zwei Rechtsabbiegespuren überqueren – was mit einem gewissen Risiko verbunden ist. Zudem liegt die nächste Auffahrt zum Radweg erst in Höhe Lohmühlenstraße.

Das war nicht immer so: Vor dem Umbau verlief zwischen Barcastraße und Hohenfelder Brücke eine Rampe nach unten in die Bucht. Sie war sicherlich nicht optimal, aber ermöglichte dem Radverkehr, unter der Hohenfelder Brücke die Straße kreuzungsfrei zu passieren – jegliche Konflikte mit dem Autoverkehr waren hier ausgeschlossen.

Und diese Rampe sollte auch wieder errichtet werden. In sämtlichen Planungsunterlagen war sie eingezeichnet. Mit der Eröffnung fehlt sie plötzlich. Seitens des zuständigen Landesbetriebs Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) wurde auf diese Änderung nicht hingewiesen. Selbst Aktive der Bezirksgruppe Nord des ADFC Hamburg brauchten mehrere Anläufe, bis der Landesbetrieb überhaupt verstand, dass da etwas Geplantes nicht umgesetzt worden war. Es folgte der Vorschlag, das Versäumnis durch Beschilderung zumindest abzumildern – aber bis Redaktionsschluss ist nicht einmal das passiert.

 

Lehrstück auf drei Ebenen

Die Hohenfelder Bucht ist ein Lehrstück für Behördenfehler auf drei Ebenen. Zunächst handelt es sich um einen Planungsfehler. In einer Anfrage der Bezirksversammlung Nord (siehe QR-Code) wurde dazu erklärt: „Das Gefälle ist zu steil. Die Neigung darf aus Gründen der Barrierefreiheit maximal sechs Prozent betragen. Der Weg hatte eine Neigung von rund zehn Prozent, und die Hanglage lässt keine Verlängerung des Weges zu. Der Weg ist zu schmal. Ebenfalls aus Gründen der Barrierefreiheit muss der Weg mindestens 1,20 Meter breit, besser 1,50 Meter sein, einschließlich der vorgeschriebenen Ruhepodeste alle sechs Meter. Aufgrund der Bäume und Wurzellage gab es dafür keine Möglichkeit.“ Der Landesbetrieb verweist pauschal auf „aktuelle Planungsregelwerke“, aber so ist das Behördenhandeln nicht nachvollziehbar.

Der zweite Fehler ist die unzureichende Kommunikation. In Hamburg besteht das Bündnis für Radverkehr, dem neben dem LSBG auch die Bezirksämter und Bezirksversammlungen angehören. In einem Bündnis ist es üblich, seine Partner*innen über Änderungen unverzüglich zu informieren. Selbst wenn der Planungsfehler erst in der Baudurchführung festgestellt und nicht mehr behoben werden konnte, hätte man kommunizieren müssen – auch gegenüber der Öffentlichkeit. Wozu werden schließlich Planungen ausgelegt, wenn man sich nicht darauf verlassen kann?

Der dritte Fehler ist der Ideenmangel in Bezug auf eine Verbesserung der aktuellen Situation. Eine Anfrage der Bezirksversammlung Hamburg-Nord beantwortete der LSBG nur mit einem Hinweis auf denkbare Umleitungen: „Unter anderem ist es möglich, etwa über die Barcastraße zu fahren, dann am Hamburger Kanu-Club e.V. links abzubiegen und anschließend wieder unter den Brücken hindurchzufahren. Wer aus Richtung Alsterschwimmhalle kommt, kann auch durch die Ackermannstraße fahren. Außerdem ist es möglich, die Sechslingspforte bis zur Schwanenwikbrücke entlangzufahren, diese nach rechts zu überqueren und dann über die Ampel zur Außenalster zu gelangen.“

Schade, dass die Behörde nicht selbst proaktiv darauf hingewiesen hat. Wobei ein Hinweis auf mögliche Umwege keine zufriedenstellende Lösung ist: Es fehlt nach wie vor der Linksabbieger für den Radverkehr.

Zwei Lösungsvorschläge 

Ebenerdig könnte erstens an der Kreuzung Sechslingspforte/Schwanenwik ein Linksabbieger für den Radverkehr  nachträglich eingerichtet werden. Hierzu müsste die Ampelanlage umgestellt und eine Radwegführung geschaffen werden. Die Verbindung via Ackermannstraße könnte zweitens als Fahrradstraße und mit gezielter Führung zur Bucht deutlich attraktiver werden. In dem Zusammenhang müsste überlegt werden, ob die Hauptrichtung des Radverkehrs entgegen der Einbahnstraße sinnvoll ist.

Planungsfehler sind ärgerlich, teuer und unangenehm, wenn sie erst in der Baudurchführung auffallen. Aber Fehler sind menschlich. Sie passieren. Die Frage ist doch: Wie wird damit umgegangen? Wenn Hamburg ernsthaft vorhat, eine Fahrradstadt zu werden, darf so etwas nicht unter den Tisch gekehrt werden. Vielmehr sollte das Bündnis für Radverkehr genutzt werden. Der ADFC Hamburg steht als verlässlicher Partner nach wie vor bereit, eine Gesamtlösung für die fehlende Verbindung zu entwickeln.

René Pönitz

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