Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Landesverband Hamburg e. V.

Die Hauptverkehrsstraße im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg mit zwei Lastkraftwagen

Wilhelmsburg: der Panoramablick auf die Hafenrandstraße © Sven Timmermann

Verkehrswahnsinn oder Fahrradstadt Wilhemsburg?

Wie wär’s am Wochenende mal mit einem Fahrradausflug Richtung Wilhelmsburg? Die Sonne lacht und die Vorfreude wächst: wenig Verkehr, breite Straßen, einige gute Wege – alles Bingo, oder was?

Der Schein trügt. Von Montagmorgen bis Samstagabend tobt hier der (Schwerlast-)Verkehr. LKWs werden mit Containern be- oder entladen und sausen dazu kreuz und quer durch den Stadtteil. Der PKW-Individualverkehr kommt noch hinzu.

Logistikdrehscheibe in der Elbe

Alle nutzen Wilhelmsburg als Drehscheibe, sei es über die Autobahnen A 1 und A 7 oder die Wilhelmsburger Reichsstraße. Für die Bewohner*innen des Stadtteils ist das auf Dauer unerträglich. Und für uns Radfahrer*innen fängt das Elend mit den Zu- und Abfahrtsstraßen zur Insel an: An den Elbbrücken müssen wir uns die schmalen Fußwege auf der Brücke mit den Fußgänger*innen teilen, und auf dem Weg zum/vom Elbtunnel haben wir dasselbe Problem auf der Argentinienbrücke. Dahinter dann die Harburger Chaussee: Radwege aus den Sechzigerjahren – rumpel, hoppel, nerv!

Eigentlich wäre für ordentliche Radfahrstreifen genügend Platz, aber natürlich nur, wenn von den fünf Spuren des motorisierten Verkehrs – vier Fahrspuren plus Parkstreifen – etwas abgezwackt würde. Und: Die Ampeln zum Queren der Fahrbahn sind gegenwärtig reine Bettelampeln. Da kann man das Warten lernen! Sollten die nicht längst abgebaut werden?

Sonntag, 23. Juni 2024

Fahrraddemonstration durch Wilhelmsburg

 

Radfahren als Mutprobe

Werktags quält sich der LKW-Verkehr durch sämtliche Straßen im Stadtteil, und bei Stau auf den Autobahnen drumherum auch beispielsweise in der Mengestraße und der Georg-Wilhelm-Straße. Da wird das Radfahren zu einer sehr unangenehmen Angelegenheit. Allein im letzten Jahr gab es auf der Insel zwei Tote und mehrere Verletzte durch Unfälle mit LKWs. Statistisch gesehen werden Unfälle ja in erster Linie von PKW-Fahrer*innen verursacht. Durch die in der neuen Mitte geplanten Wohngebiete soll der Stadtteil noch in diesem Jahrzehnt um circa 25.000 neue Bewohner*innen wachsen. Vernünftige Verkehrskonzepte, wie zum Beispiel ein Plan für autofreie Zonen? Fehlanzeige. Der Öffentliche Nahverkehr ist bereits jetzt komplett überlastet, was die Menschen nicht unbedingt dazu motiviert, das Auto stehenzulassen. Und aufgrund der schlechten Infrastruktur scheuen sich viele Menschen, aufs Rad umzusteigen.

Gemeinsam gegen den Irrsinn!

Daher organisieren sich in Wilhelmsburg jetzt mehrere Stadtteilinitiativen gegen diesen Verkehrswahnsinn. Für den 23. Juni ist eine Fahrraddemonstration durch Wilhelmsburg geplant, um auf die vielen Missstände hinzuweisen und deutliche Verbesserungen einzufordern. Es bleibt abzuwarten, ob es in Hamburgs Süden beim „Business as usual“ bleibt, oder ob es echte Veränderungen in der Verkehrspolitik geben wird.

Sven Timmermann

alle Themen anzeigen

Verwandte Themen

Stau unter der Fußgängerbrücke

Autokoalitionsvertrag

Ein ziemlich verformter Rückschritt - Der Autokoalitionsvertrag in Hamburg

Die Strasse Bellevue ist eine Fahrradstraße in Hamburg

Straßen (nur) fürs Fahrrad

In Hamburg gibt es rund zwanzig Straßenkilometer, auf denen Autofahrer*innen nur Gäste sein und Radfahrer*innen Vorrang…

Ein Radweg wird vor der Kreuzung zu einem Radfahrstreifen. Die Fahrbahnampel zeigt grün.

Welche Ampel gilt für den Radverkehr

Nach welchem Ampelsignal muss sich eine Radfahrer*in richten? Dabei gibt es einiges zu beachten.

Radfahrerin auf Radfahrstreifen von Bäumen gesäumt

ADFC-Position: Bäume

Eine Umverteilung des öffentlichen Raums sollte immer zulasten des Autoverkehrs erfolgen und nicht zulasten zu schmaler…

Die aktuelle Situation in Volksdorf, Claus-Ferck-Straße

Projekt „Flaniermeile Volksdorf"

Wie schwer es ist, einen Ortskern für die Menschen attraktiver zu machen.

Bezirksamtsleiterin Frau Schmidt-Hoffmann empfängt vor dem Bergedorfer Rathaus die Forderungen der ADFC-Gruppierungen.

Gute Radwege zwischen Nachbarn

Unter diesem Motto stand eine Demo der Ortsgruppen Reinbek und Wentorf sowie der Bezirksgruppe Bergedorf am 16.…

Außenansicht

Fahrradparkhaus Kellinghusenstraße eröffnet

Am U-Bahnhof Kellinghusenstraße steht seit Mai ein modernes, doppelgeschössiges Fahrradparkhaus für Pendler. Der ADFC…

Schwalbenstrasse 2024

Fahrradparken statt Falschparken in Barmbek-Nord

In der Schwalbenstraße gibt es statt Falschparker jetzt Fahrradbügel!

Ein Kind auf dem Schulweg - per Rad

Schulwegplanung in Hamburg

Viele Hamburger Schulwege sind unsicher und unübersichtlich. Fehlende Querungen, Elterntaxis und wildes Parken machen…

https://hamburg.adfc.de/artikel/verkehrswahnsinn-oder-fahrradstadt-wilhemsburg

Bleiben Sie in Kontakt