Krausestraße mit unechter Zweispurigkeit

Krausestraße mit sogenannter unechter Zweispurigkeit: für Radler*innen abschreckend © Andrea Kupke

Die Krausestraße braucht Radfahrstreifen

 

Die Krausestraße verbindet Barmbek Nord mit Wandsbek. Sie kreuzt unter anderem Bramfelder Straße, Alter Teichweg und Denhaide. Bei den wenigen Radverkehrsanlagen gibt es keine Benutzungspflicht - Radfahrende fahren also auf der Fahrbahn.

 

Was ist das Problem?

Etwa 20.000 Autos sind täglich auf dieser Straße unterwegs, darunter sind ca. 4 % Schwerlastverkehr. Die Fahrbahn ist durchgehend 9,5 m bis 10 m breit. Die Autos fahren auf je einer fünf Meter breiten Fahrspur meist in Zweierreihe nebeneinander (sogenannte unechte Zweistreifigkeit). Auf beiden Seiten parken Autos neben der Fahrbahn.

 

In den Augen vieler Radfahrender ist unbedingt etwas für den Radverkehr in der Straße zu tun. Denn angenehm ist es meist nicht, hier auf der Fahrbahn zu fahren. Ein hoher Anteil Radfahrende fährt daher unerlaubterweise auf dem Gehweg, was Konflikte und Gefahren für Fußgänger*innen erhöht. Unser Video zeigt die Situation auf der Fahrbahn:

Video: Die Krausestraße in Hamburg braucht Radfahrstreifen

 

Es geht auch anders: Vorbild Alsterkrugchaussee

In der Alsterkrugchaussee wurde eine unechte Zweistreifigkeit Anfang 2014 mit Hilfe eines Radfahrstreifens zu Einspurigkeit ummarkiert. Ziel war neben der Förderung des Radverkehrs auch das Reduzieren von Unfällen zwischen den zu eng fahrenden Kfz.

Eine vergleichbare Lösung fordert der ADFC für die Krausestraße. Nicht nur die Radfahrenden profitierten von Radfahrstreifen auf der Fahrbahn. Für Fußgänger*innen entfielen mit ihnen die Konflikte mit den Radfahrenden, die derzeit noch aus Angst vor der Fahrbahn unerlaubterweise die Gehwege mitbenutzen. Selbst für Autofahrer wäre die Neuaufteilung des Straßenraums ein Gewinn, da das enge Nebeneinanderfahren der Autos bisher recht stressbelastet ist – das entfiele zukünftig komplett.

Seit 2013 prüft die Behörde für Bauen, Wirtschaft, Verkehr und Innovation, wie eine geeignete Lösung für die Krausestraße aussehen könnte. Es gab dazu öffentliche Diskussionsveranstaltungen und im Mai 2014 demonstrierten u. a. ADFC und Stadtteilrat Dulsberg mit einer Fahrraddemo für eine Radfahrstreifenlösung.

Fahrradfreundlicher Umbau lässt noch viele Jahre auf sich warten!

(Stand: 03.07.19) Die Sanierungsarbeiten der maroden Krausestraße, einer wichtigen Querverbindung von Dulsberg nach Barmbek, verzögern sich weiter. Bereits im Sommer 2016 hatte die Stadt die Umbaupläne nach längeren Vorarbeiten eingetütet und erstverschickt. Hamburgs Radfahrende durften hoffen, spätestens im Jahr 2019 auf den in der Krausestraße geplanten Radfahrstreifen unterwegs sein zu können. Bisher müssen sie auf der unecht zweistreifigen Fahrbahn bei Tempo 50 im Mischverkehr fahren – angesichts des starken Kfz-Verkehrsaufkommens mit oft mulmigem Gefühl. Viele nutzen daher verbotenerweise die schmalen, oft nicht einmal 1,50 Meter breiten und von parkenden Autos weiter eingeengten Gehwege der Krausestraße auch mit dem Rad.

Inwzischen ist 2019, aber statt sich über den fahrradfreundlichen Umbau der Krausestraße zu freuen, werden sich Radfahrende auf eine längere Durststrecke einstellen müssen. Ende April gab es im zuständigen Regionalausschuss der Bezirksversammlung Hamburg-Nord einen Sachstandsbericht zu der geplanten Sanierungsmaßnahme. Die Ergebnisse:

  • Um die Parkplätze entlang der Fahrbahn im öffentlichen Raum erhalten zu können, die wegen breiter gewordener Autos nun breiter geplant werden müssten, wird in der Krausestraße um Zukäufe von privaten Grundstücksstreifen verhandelt. Diese Verhandlungen ziehen sich länger hin, als gehofft und sind nicht überall erfolgreich.
  • Durch Grundstückskäufe belaufen sich die Kosten auf über sechs Millionen Euro, eine Summe, die als Einzelposten im Haushalt des Senats beschlossen werden muss. Für den Haushalt 2019/20 erachtete aber der Senat andere Sanierungsmaßnahmen als wichtiger, die Krausestraße muss noch warten.
  • Hamburgs Baustellenkoordinator – ein Zugeständnis an staugeplagte Autofahrende – hat als nächstes mögliches »Baufenster« für die Krausestraße die Jahre 2024/25 genannt. Das heißt konkret: Radfahrende und Fußgänger*innen werden mindestens weitere fünf Jahre mit den für sie schlechten, gefährlichen Verkehrsbedingungen leben müssen.  

Die Idee, als Zwischenlösung und Sofortmaßnahme einfach Radfahrstreifen zu markieren, lehnt die Stadt ab. Da die Fahrbahnbreite von Bordstein zu Bordstein nicht verändert werden soll, würde eine solche Idee zwar naheliegen, allerdings seien die Fahrbahnränder so marode, dass ein Radfahrstreifen auf dem bestehenden Untergrund nicht in Frage komme. Dass Radfahrende dort aber bis zum Umbau noch jahrelang fahren werden müssen – ohne Streifen und immer hoffend, dass Autofahrende sie auch mit ausreichendem Abstand überholen –, nimmt die Stadt in Kauf.

Andrea Kupke, Ulf Dietze

Anhörung zur Krausestraße 2016
2. öffentliche Anhörung zur Krausestraße am 25. Mai 2016 © Ulf Dietze

Baubeginn für Frühjahr 2021 angekündigt!

(Stand: 13.10.19) Der Umbau der Krausestraße soll nun doch bereits im Frühjahr 2021 beginnen. Das geht aus der Antwort auf eine Schriftliche Kleine Anfrage hervor, die der verkehrspolitische Sprecher der Grünen Bürgerschaftsfraktion, Martin Bill, gestellt hat. Der Senat schreibt dazu: »Der 1. Abschnitt zwischen Drosselstraße und Osterbekkanal soll ab Frühjahr des Jahres 2021 hergestellt werden. Die Koordinierung für die weiteren Bauabschnitte folgt.«

Der für Radfahrende heute kritischste Bereich ohne Radverkehrsanlagen – im Mischverkehr bei Tempo 50 und unechter Zweistreifigkeit – erstreckt sich allerdings südlich des ersten Bauabschnitts bis S-Friedrichsberg. Sollten die weiteren Bauabschnitte nicht unmittelbar folgen, schlägt der ADFC deshalb vor, die übrige Strecke sofort mit einem provisorischen Radfahrstreifen zu markieren. Damit könnte die besonders gefahrenträchtige unechte Zweistreifigkeit aufgehoben werden, um das Radfahren auf der Fahrbahn sofort sicherer zu gestalten. Dadurch würde sich auch das Radfahren auf dem Gehweg reduzieren.

Insgesamt wird mit dem Umbau der Krausestraße eine Verbesserung der Situation für den Radverkehr und den Fußverkehr angestrebt. Wobei gleichzeitig die Kapazität der Straße für den Autoverkehr erhalten werden soll. Die Verzögerung habe am aufwendigen Grundstücksankauf und an der Koordination mit anderen Straßenbaustellen in der Umgebung gelegen, schreibt der Senat.

Verwandte Themen

RennradfahrerInnen auf einer Asphaltfahrbahn in ländlicher Umgebung

Radschnellweg im Bezirk Wandsbek

Bestandsaufnahme zum Radschnellweg Ahrensburg – Hamburg. Er ist der einzige Radschnellweg, der zum Teil auf dem Gebiet…

Graumannsweg. Einseitiger Radfahrstreifen gegenläufig zur Einbahnstraße. In der anderen Richtung fahren die Radfahrenden im Mischverkehr (eingerichtet April 2015). Der Streifen wurde oft von Autofahrer*innen regelwidrig zum Überholen genutzt. In 2020 wurde er deshalb rot eingefärbt.

Gute Beispiele: Gegenläufiger Radfahrstreifen in der Einbahnstraße

Eine Variante, Radverkehr in Gegenrichtung der Einbahnstraße zuzulassen, sind Radfahrstreifen.

Ein Radweg wird vor der Kreuzung zu einem Radfahrstreifen. Die Fahrbahnampel zeigt grün.

Welche Ampel gilt für den Radverkehr

Nach welchem Ampelsignal muss sich eine Radfahrer*in richten? Dabei gibt es einiges zu beachten.

Eindeutige Führung für Radfahrende: Streifen in der Fuhlsüttler Straße Richtung Norden vor der Drosselstraße.

Gute Beispiele: Geradeaus-Radfahrstreifen links vom Rechtsabbieger

An Kreuzungen geht Gefahr insbesondere von nach rechts abbiegenden Kfz-Lenker*innen aus. Radfahrstreifen, die die…

Veloroute 4 zwischen Laukamp und Fibigerstraße

Tempo 30 verweigert – Veloroute 4 auf dem Gehweg?

In Langenhorn verläuft die Veloroute 4 auf einer Strecke von 290 Metern über Hohe Liedt und Neubergerweg. Was dort eine…

Ein aufgeweiteter Radaufstellstreifen vor einem Fahrstreifen

Gute Beispiele: ARAS - Aufgeweitete Radaufstellstreifen

Der aufgeweitete Radaufstellstreifen (ARAS) liegt vor der Haltelinie der selben Richtungsfahrspur.

Fahrradparkplätze im Bereich der Geschäfte

Gute Beispiele: Fahrrad-Anlehnbügel (auch) gegen Falschparker*innen

Fahrradstellplätze sind notwendig für den Radverkehr. Sie können außerdem die Verkehrssicherheit erhöhen.

Autoverkehr behindert Radverkehr auf der Fahrradstraße

Veloroute 6: Störungen an der Von-Essen-Straße

Der Weg hin zu einer leistungsstarken Fahrradverkehrsinfrastruktur steht im Zentrum des Engagements lokaler…

nach dem Umbau: Radfahrer*innen fahren im Sichtfeld der Autofahrer*innen auf den Schutzstreifen aus Asphalt.

ADFC-Position: Umgang mit Pflasterstraßen

Die Fahrbahnoberfläche beeinflusst Sicherheit, Fahrkomfort, Attraktivität und damit Akzeptanz einer Strecke bei…

https://hamburg.adfc.de/artikel/die-krausestrasse-braucht-radfahrstreifen

Häufige Fragen von Alltagsfahrern

  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 190.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

    weiterlesen

  • Wie erreiche ich den ADFC Hamburg?

    Geschäftsstelle des ADFC Landesverband Hamburg e.V.
    Koppel 34-36
    20099 Hamburg

    Telefon: +49 40 39 39 33
    Fax: +49 40 3 90 39 55
    E-Mail: kontakt [at] hamburg.adfc.de

     

    Erreichbarkeit
    Die Geschäftsstelle ist an Werktagen grundsätzlich telefonisch erreichbar. Anrufe können jedoch nicht immer persönlich entgegen genommen werden. Nachrichten auf dem Anrufbeantworter sind sehr willkommen und werden (werk)täglich abgehört und beantwortet.
    Bitte nutzen Sie auch unsere E-Mail-Adresse.

    Persönliche Termine sind nach Absprache möglich.

    weiterlesen

  • Gibt der ADFC Hamburg einen Newsletter heraus?

    Der kostenlose Newsletter des ADFC Hamburg informiert ein bis drei Mal im Monat über Neuigkeiten zum Radfahren in Hamburg und über die Arbeit des ADFC.

    Hier geht's zur Anmeldung
    Du kannst dich jederzeit über einen Link im Newsletter wieder davon abmelden.

  • Wo kläre ich meine Fragen zur Mitgliedschaft?

    Für Änderungen zur Mitgliedschaft stellen wir verschiedene Formulare bereit, mit denen du z.B. eine neue Anschrift ganz einfach mitteilen kannst. Du benötigest lediglich deine Mitgliedsnummer.

    Mitglied werden kannst du hier.

    Bei Fragen zur Mitgliedschaft hilft dir unser zentraler Mitgliederservice in Bremen gerne weiter: +49 421 34 62 923.

    Eine Übersicht zu unseren Mitgliedervorteilen findest du hier.

  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

    weiterlesen

Ich möchte dabei sein!

Bleiben Sie in Kontakt