Wohin des Weges als Radfahrer*in? Absteigen und schieben? Das kann doch nicht wahr sein!

Wohin des Weges als Radfahrer*in? Absteigen und schieben? Das kann doch nicht wahr sein! © ADFC Hamburg

Neues aus den Bezirken: Harburg

 

Die einen sagen: Es tut sich etwas südlich der Elbe. Die anderen sagen: Bei der Mobilitätswende ist der Bezirk Harburg immer noch außen vor. Wir wollten es genauer wissen und haben die ADFC-Bezirksgruppe Harburg um ihre Einschätzung gebeten.

 

Im Harburger Binnenhafen kann man seit einiger Zeit auf einem fertigen Abschnitt der Veloroute 10 ein paar hundert Meter weit – vom Kanalplatz bis zum Ende der Blohmstraße – auf einem prächtigen, vier Meter breiten Radschnellweg fahren. Weitere Teilstücke sind im Bau beziehungsweise kurz vor Baubeginn. Leider hapert es jedoch an beiden Enden an den Anschlüssen: So führt die Veloroute in Richtung Norden durch die Nartenstraße, wo es noch gar keinen Radweg gibt. Am südlichen Ende der Blohmstraße endet der Radschnellweg in den Felsen. Im weiteren Verlauf muss die Veloroute erst die Seehafenstraße queren und danach noch über ein Hafenbahngleis geführt werden. Dafür ist aber ein Bauantrag der Hamburg Port Authority als Eigentümerin der Gleisanlagen erforderlich. Wer also mit dem Rad von Westen kommt, hat folgendes Bild vor Augen:

 

 

Der weitere Verlauf 

In der Straße Am Radeland soll bald mit dem ersten von drei Bauabschnitten begonnen werden. Wir sind sehr gespannt auf die weiteren Planungen, denn eigentlich ist die Straße sehr ruhig. Nur rund um die Schichtwechsel bei einem großen deutschen Automobilhersteller schwillt der Verkehr massiv an. Schön wäre es, wenn der Durchgangsverkehr hier ausgesperrt oder zumindest die Geschwindigkeit schärfer kontrolliert würde.

Im übrigen finden wir: Tempo 30 ist gut, aber die geplanten Parkstände und Bauminseln können zu massiven Konflikten mit dem motorisierten Verkehr führen. Autofahrende werden die Radler*innen auch weiterhin überholen, nur dann eben so, dass diese an den Verengungen zum Bremsen gezwungen werden, wenn sie nicht seitlich in die überholenden Kraftfahrzeuge krachen wollen. Das ist gegenüber heute doch eher eine Verschlechterung.

Das Fahrrad als Verkehrsmittel zweiter Klasse 

Der Knoten Striepenweg/Rehrstieg soll in diesem Sommer ebenfalls noch begonnen werden. Der dort geplante Kreisverkehr erfüllt zwar nicht alle Wünsche der Radfahrenden, ist aber in jedem Fall ein Fortschritt. Dazu kommt, dass der Kfz-Verkehr in Richtung Striepenweg – Neuwiedenthaler Straße für deutlich weniger als 500 Meter zweispurig geführt werden soll. Kfz-Überholvorgänge direkt vor einem Kreisverkehr sind den Planungsstellen offenbar immer noch wichtiger als der Radverkehr.

Dadurch, dass die Velorouten in Teilabschnitten geplant werden, kommt es manchmal zu grotesk anmutenden Situationen. So endet beispielsweise ein hervorragend ausgebauter Teilabschnitt in Neuwiedenthal abrupt an der Francoper Straße und mündet in einen sehr schmalen Gehweg mit 90-Grad-Kurve. Die wunderbare Strecke im „Dubben“ führt bei der Hafenbahnquerung direkt in ein „Drängelgitter“, das für breitere Räder leider zu schmal ist. Immerhin wird dort jetzt ein Tunnel geplant, aber auch dieser Plan hat eine Kehrseite: Jetzt lohnt es sich angeblich nicht mehr, den dahinter liegenden Matsch-Holperweg zu verbessern.

Veloroute 11 noch mit großen Lücken 

Einige Teilstücke sind bereits umgebaut, so die Hannoversche Straße zwischen Neuländer Straße und dem Doppelknoten am Harburger Bahnhof mit der Protected-Bike-Lane auf der Ostseite oder auch der als Fahrradstraße eingerichtete nördliche Teil der Denickestraße, der aus Radverkehrssicht wenig Wünsche offenlässt. Dazwischen tun sich aber noch große Lücken auf. In der Moorstraße soll das Phönix-Center auf der einen Straßenseite besser mit der Seevepassage auf der anderen Seite verknüpft werden. Das bedeutet mehr Fußverkehr, und das verträgt sich leider schlecht mit einer sicheren und zügigen Führung einer Veloroute. Am Ende des Harburger Rings wartet dann der „Finanzamtsknoten“ mit anspruchsvollen Planungsaufgaben, bevor es in der Eißendorfer Straße weitere Nutzungskonflikte gibt: Der Straßenraum ist knapp, es fahren viele Busse und Pkw, und die Goethe-Schule Harburg hätte ebenfalls gerne mehr Platz. Im Schatten der Großbaustelle des Harburger Bahnhofs soll irgendwann auch das Bike&Ride-Haus mit 1500 Fahrrad-Stellplätzen gebaut werden. Wir sind gespannt!

Ein sehr wichtiges Detail im neuen „Bündnis für den Radverkehr“ ist die zusätzlich geplante Veloroute über die Kattwyk-Brücke in Richtung Innenstadt. Wer aus Neuwiedenthal, Neugraben oder Fischbek in die City will, spart dadurch einige Kilometer.

Aktivitäten der Bezirksgruppe 

Im Juni wurde von der Bezirksgruppe Harburg eine „Freud und Leid des Radverkehrs“- Tour veranstaltet. Sie ist auf eine so positive Resonanz gestoßen, dass wir jetzt eine vergleichbare Tour für den Süderelberaum/Neugraben planen.Das Thema Tempo 30 auf bezirklichen Straßen ist auch in Harburg ein Dauerbrenner: Nachdem die Haakestraße, eine Nebenstraße, relativ zügig zur Tempo-30-Zone erklärt worden war, wurde der Antrag für die Heimfelder Straße – nach monatelanger Prüfung – abgelehnt. In der Begründung hieß es, dass in einer Hauptstraße Tempo 30 nicht möglich sei. Außerdem würden sich die Fahrtzeiten der dort verkehrenden Busse verlängern. Inzwischen gibt es eine Projektgruppe, die für September eine Straßenaktion vorbereitet, um das Thema weiter am Kochen zu halten.

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https://hamburg.adfc.de/artikel/neues-aus-den-bezirken-harburg-1

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    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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