Zeichnung. Fahrbahn mit 5,5 m Radfahrstreifen mit je 2,55 m, dazwischen je 0,6 m Abstand durch Doppellinie

Vorschlag des ADFC zur Neuaufteilung der Fläche in der Straße Leeschenblick (Bramfeld) mit Stand vom 12.01.2020 © adfc hh/Bezirksgruppe Wandsbek

Veloroute 5: Fahrbahn im Leeschenblick neu aufgeteilt

 

Weil Falschparker*innen den Radverkehr gefährden, die Situation für die Radfahrer*innen weiter verschlechtern? »Das ist keine gute Idee«, fanden wir ...

 

Im Leeschenblick gab es seit Jahrzehnten Radfahrstreifen und eine sehr breite Kernfahrbahn. Auf dieser wurde regelwidrig geparkt. Im Zuge der Veloroutenplanung (!) sollte sich die Situation für Radfahrende weiter verschlechtern. Wir konnten aber eine bessere Lösung erreichen.
 

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alter Radfahrstreifen auf der einen Seite der Fahrbahn, gegenüber liegt der Radfahrstreifen hinter einer Reihe Falschparker-Autos versteckt
Leeschenblick Richtung Ost, links sind die Falschparker erkennbar. Sie versperren die Sicht auf den Radverkehr und führen dazu, dass Autofahrer*innen bei Begegnungsverkehr über den Radfahrstreifen fahren. © adfc hh/Ulf Dietze
Blick entlang des Radfahrstreifens. Links neben dem Streifen parkt regelwidrig ein LKW
Einmündung Sonnentauweg: Zwischen Radfahrenden auf dem Radfahrstreifen und abbiegenden Autofahrer*innen war die Sichtbeziehung unzureichend. Denn neben dem Radfahrstreifen wurden regelwidrig Autos geparkt. Es bestand auch immer die Gefahr plötzlich geöffneter Autotüren, ohne dass ausreichend Raum zum Ausweichen gegeben war. © adfc hh/Ulf Dietze

 

zwischenzeitliche Planung

Zunächst wurde nun geplant, ganz offiziell einen Parkstreifen an den Fahrbahnrand zu markieren. Für den Radverkehr hätte es dann nur noch zwei schmale Schutzstreifen gegeben. Unter anderem lautete die Begründung für diesen Plan, man käme gegen das Falschparken nicht an.

2 m Parkstreifen, 0,5 cm Sicherheitstrennstreifen, 1,75 m Schutzstreifen, 6 m Kernfahrbahn, 1,75 m Schutzstreifen
Plan vom Juni 2018 für den Leeschenblick © FHH/Bezirksamt Wandsbek

 

ADFC-Vorschlag

 

Zeichnung. Fahrbahn mit 5,5 m Radfahrstreifen mit je 2,55 m, dazwischen je 0,6 m Abstand durch Doppellinie
Vorschlag des ADFC zur Neuaufteilung der Fläche in der Straße Leeschenblick (Bramfeld) mit Stand vom 12.01.2020 © adfc hh/Bezirksgruppe Wandsbek

Die Bezirksgruppe Wandsbek des ADFC entwickelte dann den abgebildeten Gegenvorschlag.

Wesentliche Ziele dabei:

  • hohe Verkehrssicherheit
  • einer Veloroute angemessener Ausbau
  • wirksames Vorgehen gegen Falschparken

Die Kernfahrbahn sollte nach unserer Vorstellung so schmal sein, dass niemand auf die Idee kommt, darauf legale Parkmöglichkeiten zu vermuten. Als Einwand kam aus der Verwaltung, dass Autofahrer*innen den Radfahrstreifen überfahren könnten. Das ist allerdings eher nicht zu erwarten, wenn die Kernfahrbahn durch die genannte Planung frei bleibt. Außerdem darf nach Ansicht des ADFC das mögliche Fehlverhalten einzelner Autofahrer*innen nicht dazu führen, dass eine sehr gute und sehr sichere Radverkehrsplanung (breite Radfahrstreifen) zu Gunsten einer sehr viel schlechteren Planung (schmalere Schutzstreifen) verworfen wird.

Die Doppellinie ist in Hamburg noch selten, kann sich aber zur Verdeutlichung des Sicherheitsabstands anbieten.

Der ADFC schrieb in seinen Vorschlag vom Januar aber auch: »Sollte sich nach Ende der Bauzeit und der Freigabe für den Verkehr herausstellen, dass der Radfahrstreifen im Leeschenblick mit Kfz befahren wird, könnten trennende Elemente innerhalb der doppelten Begrenzungslinien zwischen Radfahrstreifen und Kernfahrbahn ergänzt werden.« Das könnte zum Beispiel eine Reihe von Pollern sein (wie es z. T. in Berlin inzwischen gemacht wird) oder man könnte langgezogene schmale Inseln aufbringen - Beispiele aus Hamburg siehe hier.

Regionalausschuss entscheidet für die gute Lösung

Im Regionalausschuss Bramfeld diskutierten Parteien, Polizeikommissariat den ADFC-Vorschlag und stimmten ihm zu.

»Der Regionalausschuss Bramfeld-Steilshoop-Farmsen-Berne stimmt dem Planungsvorschlag des ADFC (Schreiben vom 12.01.2020) zu und bittet diesen zu berücksichtigen.« Regionalausschuss Bramfeld-Steilshoop-Farmsen-Berne vom 16.01.20

Inzwischen haben Planer*innen und Verwaltung den Entwurf angepasst, die Fahrbahn wurde im Sommer 2020 neu asphaltiert und die Radfahrstreifen sind markiert.

schmaler Radfahrstreifen
Radfahrstreifen vorher © adfc hh/Ulf Dietze
breiter, neuer Radfahrstreifen
Radfahrstreifen nachher © adfc hh/Ulf Dietze
mehr als 7 m breiter Fahrbahn vorher
Kernfahrbahn vorher © adfc hh/Ulf Dietze
neue kernfahrbahn rund 5,75 m breit
Kernfahrbahn nachher © adfc hh/Ulf Dietze
beidseits Radfahrstreifen, mit Doppellinie von Kernfahrbahn getrennt, keine Falschparker-Kfz
Nun gibt es breitere Radfahrstreifen, gute Sichtbeziehungen und eine Kernfahrbahn, die auch dem letzten Autofahrer die ohnehin geltende Verkehrsregel erläutert: Parken darf man hier nicht. © adfc hh/Ulf Dietze

Wir beobachten, ob sich die Verkehrsteilnehmer*innen an die Straßenverkehrsordnung halten. Dann funktioniert diese Straße gut. Ansonsten wird es - neben dem Anzeigen von Falschparker*innen - ggf. Nachsteuerung im Bereich der physischen Trennung von Rad- und Autoverkehr geben können. Für den Radverkehr haben alle Beteiligten in Politik und Verwaltung jedenfalls jetzt eine gute Lösung gefunden.

Screenshot aus dem Geoportal: Planungsnetz Velorouten
Screenshot aus dem Geoportal: Planungsnetz Velorouten © FHH/Geoporal

Was sind Velorouten?

Ein Radverkehrsnetz sollte »hierarchisch« aufgebaut sein. Es gibt dann bezirksübergreifende Velorouten, ergänzende Velorouten innerhalb des Bezirks, das normale Straßennetz und das sog. Nachbarschaftsnetz. Insgesamt ist das Ziel, sichere Radverkehrsverbindungen für jeden anzubieten. Das schafft der Verkehrsteilnehmer*in – egal ob jung oder alt – eine wirkliche Wahl: Nehme ich jetzt das Fahrrad oder doch das Auto, nehme ich den Bus oder gehe ich zu Fuß? Heute setzen sich viele auch deshalb ins Auto, weil sie für sich keine Alternative sehen. Letztlich ist die Erhöhung des Radverkehrsanteils das Ziel. Denn das reduziert die Luftverschmutzung und die Lärmemissionen, erhöht die Verkehrssicherheit, reduziert Parkplatzbedarf – und sorgt dann auch für jenen Platz, den der notwendige Anteil des Autoverkehrs benötigt.

Velorouten setzen sich meist aus ganz »normalen« Straßen zusammen: Tempo-30-Abschnitte, ein Weg durch einen Park, eine am Ende offene Sackgasse, eine in beiden Richtungen befahrbare Einbahnstraße, eine Fahrradstraße usw. In Verbindung mit radfahrgerechter Kreuzungsgestaltung entsteht eine längere attraktive und sichere Verbindung, die eine zügige Reisegeschwindigkeit erlaubt.

Die BMVI (heute BMV) hat ein Netz von Velorouten festgelegt. Die Infrastruktur auf diesen Strecken wird nun überplant und umgebaut – der heutige Zustand einer Strecke entspricht also noch nicht überall der fertigen Veloroute. Das Netz umfasst 12 vom Rathausmarkt in die Bezirke verlaufende Velorouten sowie zwei »Ringrouten« nördlich der Elbe.

Das Routennetz zeigt die Behörde im Geoportal - es entspricht dort im Detail nicht immer der aktuell geplanten Routenführung.

ADFC-Position Velorouten

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https://hamburg.adfc.de/artikel/veloroute-5-fahrbahn-im-leeschenblick-neu-aufgeteilt-1

Häufige Fragen von Alltagsfahrern

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    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 190.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

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    Koppel 34-36
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    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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